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Andere sprachen:


Der Einfluss des Jamie Gold

THE WEEKLY SHUFFLE, 2006-08-27, von TwoGun

Seit der World Series of Poker 2003 hat jeder Main Event Champion einen signifikanten Einfluss auf die Pokerwelt gehabt. Chris Moneymakers Sieg 2003 hat Online-Poker erst richtig populär gemacht. Er machte aus anfänglichen $39 ganze $2,5 Millionen, als er sich bei PokerStars durch ein Satelliten-Turnier für das WSOP Main Event qualifizierte. Damit startete er einen Online-Poker und Satelliten-Turnier Boom. 3 Jahre später, in 2006, qualifizierten sich 10 Mal so viele WSOP Teilnehmer durch Satelliten-Turniere wie 2003.

Der WSOP Champion 2004, Greg Raymer, ist seit seinem Sieg zu einem prominenten Vertreter der Pokerindustrie und -Gemeinschaft geworden. Er hat einen guten Ruf und er trägt dazu bei, Poker weiter zu legitimieren. Auch er hat seinen WSOP Sitz online gewonnen und dadurch den Online-Poker Boom weiter vorangetrieben. Joe Hachem, der 2005 das Main Event der WSOP gewann, ist Australier. Er ist der erste Nicht-Amerikaner, seit dem Beginn des Poker-Booms, der die WSOP gewonnen hat.

Wenn man in Betracht zieht, dass die letzten drei WSOP Champion einen signifikanten Einfluss auf die Pokerwelt hatten, stellt man sich die Frage, welchen Einfluss Jamie Gold auf die Pokerwelt haben wird. Jamie Gold musste sich Anfang August 2006 gegen 8773 Teilnehmer durchsetzen, um das WSOP Main Event zu gewinnen. Das Preisgeld war über $80 Millionen und der Gewinner bekam für den ersten Platz $12 Millionen. Man kann doch annehmen, dass der Gewinner des größten Pokerturniers in der Geschichte des Pokerns (bezogen auf das Preisgeld) einen Einfluss auf die Pokerwelt haben wird.

Wenn der Main Event Champion einen materiellen Einfluss auf die Pokerwelt haben sollte, dann müsste er entweder ein neues Marktsegment ansprechen oder die Pokerwelt in einem neuen Licht präsentieren. Chris Moneymakers Einfluss auf die Pokerindustrie war die Erweiterung der Pokergemeinschaft um "low-stakes" Spieler, welche davon begeistert waren, dass er so viel Geld gewann und dafür nur wenig einsetzen musste. Hachems Effekt war der, dass er in Australien Poker populär machte. Obwohl viele der Meinung sind, dass dies ohnehin passiert wäre. Raymer ist ein guter Vertreter der Pokergemeinschaft, obwohl auch viele der Meinung sind, dass auch andere Personen seine Rolle hätten übernehmen können.

Eins ist aber klar, wenn der 2006 WSOP Champion die Popularität von Poker weiter verbreiten soll, dann muss er eine Gruppe von Leute ansprechen, an denen der Pokerzug bisher vorbeigefahren ist. Zum Beispiel würde ein Online-Qualifikant kein neues Marktsegment ansprechen, da dieser Zug bereist zweimal abgefahren ist. Damit der WSOP Champion einen signifikanten Einfluss auf die Verbreitung von Poker hat, muss er oder sie mindestens eine der drei folgenden Kriterien erfüllen:

1. Er oder sie müsste eine prominente Person sein, die nicht aus dem Pokergeschäft kommt. Wenn zum Beispiel Toby Maguire oder Ben Affleck die WSOP gewonnen hätten, dann würde das mehr Aufmerksamkeit auf Poker richten und neue Spieler anziehen.

2. Er oder sie müsste aus einem Land kommen, indem Poker noch nicht populär ist. Da in den USA und den meisten europäischen Ländern Poker bereits sehr bekannt ist, müsste die Person aus einem Land wie zum Beispiel Japan kommen. In Japan ist Poker immer noch nicht weit verbreitet und das Online-Pokergeschäft steht noch in den Kinderschuhen.

3. Es müsste sich bei dem WSOP Champion um eine Frau handeln. Dies hätte wohl den größten Effekt auf die Pokerwelt, da der Anteil der Frauen in der Pokerszene immer noch sehr gering ist. Wenn eine Frau die $12 Millionen gewonnen hätte, würden sich bald sehr viel mehr Frauen mit dem Thema Poker beschäftigen.

Da nur ein sehr geringer Teil der WSOP Main Event Teilnehmer eine dieser drei Anforderungen erfüllt, ist es eher unwahrscheinlich, dass jemand die Popularität von Poker weiter verbreiten wird. Der WSOP Gewinner könnte aber auch seine Spuren in der Pokerwelt hinterlassen, indem er das Image von Poker signifikant beeinflusst. Damit jemand das öffentliche Image von Poker beeinflusst, muss er eine der zwei folgenden Eigenschaften haben:

1. Er ist ein bekannter, professioneller Pokerspieler. Wenn jemand wie Doyle Brunson oder Johnny Chan das Main Event der WSOP gewinnen würde, dann würde dies einen positiven Einfluss auf das Image von Poker haben. Es würde der Öffentlichkeit zeigen, dass es bei Poker um Wissen, Geschick und Können geht. Der einzige professionelle Pokerspieler am Endtisch war dieses Jahr Allen Cunningham. Er ist zwar in der Pokerwelt sehr bekannt, aber in der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt genug, um einen positiven Einfluss zu haben.

2. Er ist ein Trottel. Wenn ein gemeiner, Blödsinn redender Trottel die WSOP gewinnen würde, dann würde dies das Image von Poker negativ beeinflussen. Es würde das veraltete Bild von Pokerspielern auffrischen, welches Pokerspieler als grobe Hooligans aussehen lässt. Manche behaupten, dass Gold dieses Image vertritt, da er gesagt haben soll, dass er nichts mit dem Ruhm und der Prominenz eines WSOP Champion zu tun haben will. Es ist aber übertrieben zu behaupten, dass er ein gemeiner Hooligan sein könnte, nur weil er nicht berühmt und prominent sein will. Da er nicht schlecht über Poker oder den Prominenten-Status von anderen Pokerspielern geredet hat, wird dies auch keinen negativen Effekt haben.

Welchen Effekt hat also Jamie Gold? Als ich damit begonnen habe den Artikel zu schreiben, dachte ich, ich würde zu der Schlussfolgerung kommen, dass Jamie Gold keinen signifikanten Einfluss auf die Pokerwelt haben wird, da er in keine der oben genannten Kategorien passt. Aber seit dem Gold beschuldigt wird, eine Abmachung mit Bruce Crispin Leyser nicht eingehalten zu haben, ändert das alles! Leyser hat deswegen Gold verklagt und fordert von Ihm die Hälfte seines Gewinns, wie Gold es Ihm auch versprochen haben soll. Egal wie der Prozess ausgehen wird, eins ist klar, in der Öffentlichkeit wird dieser Vorfall Pokerspieler nicht positiv dastehen lassen.

Golds Streit mit Leyser lässt Pokerspieler wie Betrüger aussehen, denen man nicht vertrauen kann. Dies ist ein veraltetes Klischee von Pokerspielern, welches durch diesen Vorfall in der Öffentlichkeit wieder an Bedeutung gewinnen könnte. Nur wenige werden sich noch daran erinnern, dass auch Moneymaker seinem Vater und einem Freund Geld versprochen hatte und er sie am Ende ausbezahlt hat. Auch Greg Raymer wurde von verschiedenen Leuten unterstützt, welcher er nach seinem Sieg ausbezahlt hat. Egal wie der Prozess mit Gold und Leyser ausgehen wird, die meisten Leute, die nichts mit Poker am Hut haben, werden sich nur daran erinnern, dass der WSOP Champion angeklagt wurde, weil er seine Abmachung nicht eingehalten hatte.

In einer Zeit, in der die Pokergemeinschaft um Legitimität und Anerkennung kämpft, ist das "Betrüger-Image" von Pokerspielern nicht sehr hilfreich. Es werden viele falsche und missverständliche Behauptungen über Online-Poker und Pokerspieler aufgestellt. Befürworter der Anti-Online-Gambling-Gesetzesvorlage behaupten zum Beispiel, dass es bei Poker hauptsächlich um Glück geht und dass Online-Pokerräume ihre Kunden betrügen. Die Poker Debatte wird in der Öffentlichkeit am Ende die Seite gewinnen, die in der Öffentlichkeit als Glaubwürdig dasteht. Wenn Pokerspieler das Image von Betrügern haben, dann werden wir diese wichtige Debatte verlieren.

The Weekly Shuffle ist unsere Sonntagskolumne mit Beobachtungen und Kommentaren zur Pokerwelt. Habt ihr eine Idee für einen neuen Artikel? Email suggestions@pokertips.org


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