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High-stakes Heads-up No-limit Hold'em zu spielen ist nichts für schwache Gemüter. Um hier erfolgreich bestehen zu können benötigt man einen hohen Grad an Talent, sowie gute Nerven, damit man die enormen Schwankungen übersteht. Falls Ihr jemals $10-$20 Heads-up No-Limit Hold'em spielt, dann wollt Ihr auf keinen Fall Philip Hilm am anderen Ende des Tisches sehen. Diese Woche haben wir Hilm als Interviewpartner, der uns erzählen soll, wie man solche Spiele überleben und bestehen kann.PokerTips.org: Wann hast Du mit dem Pokern begonnen?
Philip Hilm: Zwischen Oktober und Dezember 2003. Zu der Zeit habe ich noch Kaffeemaschinen in einem Supermarkt vorgeführt und verkauft. Es war ein schlechter Job, aber ich brauchte das Geld um Weihnachtsgeschenke kaufen zu können. Zur selben Zeit hat ein Freund von mir, der bereits seit 4 oder 5 Jahren professionell Backgammon spielte, mit dem Pokern begonnen. Er zeigte es mir und ich dachte mir, dass ich es ja mal versuchen könnte. Ich begann das Spiel zu lernen und übte intensiv. Nach einem Monat verdiente ich bereits das Dreifache an Geld mit Online-Poker als mit meinem Supermarkt-Job verdiente. Die Entscheidung viel mir nicht schwer und ich habe es bisher nie bereut.
pt.o: Was für einen Namen benutzt Du online und warum genau diesen?
Hilm: Mein Online-Name ist "hotntot". Ich fand, dass es gut klang und seit dem benutze ich ihn.
pt.o: Welche Pokerspiele spielst Du online und offline?
Hilm: Ich spiele bei Full Tilt Poker und meistens Heads-up. So kann ich mehr Hände pro Stunde spielen, mehr Entscheidungen treffen und so meinen Vorteil (soweit ich einen habe) maximieren. Normaler Weise spiele ich $10-$20 No-Limit Hold'em, aber wenn es richtig Action gibt, zum Beispiel wenn Mike Matusow oder Layne Flack spielen, dann spiele ich sogar die höchsten Limits.
pt.o: Wieso ist die "Action" besser wenn Mike Matusow oder Layne Flack spielen?
Hilm: Mike Matusow und Layne Flack sind großartige Turnierspieler. Aber Turniere und Cash Games sind zwei paar Schuhe. Ein großartiger Cash Game Spieler ist nicht automatisch auch ein guter Turnierspieler und vice versa.
pt.o: Spielst Du lieber online oder live Poker?
Hilm: Live spiele ich Turniere und ich spiele um zu gewinnen! Es macht Spaß sich mit den anderen Spielern zu treffen und mit Ihnen rum zu hängen. Poker hat auch eine gesellschaftliche Komponente. Aber am Ende möchte man dann doch immer die Nummer 1 sein. Ich habe zweimal an der WSOP teilgenommen, aber ohne großen Erfolg. Meine zwei besten Resultate sind einmal ein 4ter Platz bei der EPT in Kopenhagen und einmal ein 1ter Platz bei der WCP in Barcelona.
Ich spiele aber meistens Online und das hat mehrere Gründe. Es ist nämlich so gut wie unmöglich live Heads-up zu spielen. Und wenn ich live Heads-up spiele, dann sehe ich gerade mal 40 Hände pro Stunde. Online spiele ich zur gleichen Zeit drei Tische und sehe pro Tisch durchschnittlich 200 Hände pro Stunde. Ich sehe also pro Stunde 600 Hände - das sind 15-mal so viele Hände wie bei live Spielen. Dies überwiegt jeden Vorteil, den ich bei live Spielen durch das Lesen der Körpersprache haben könnte.
pt.o: Welchen Online-Pokerraum bevorzugst Du und warum?
Hilm: Full Tilt Poker bietet eine gute Kombination aus Heads-up Cash Games, Spielern die Heads-up auch spielen und einem großartigen Nutzer-Interface. Wenn jetzt noch die Software etwas schneller wäre, dann wäre die Seite perfekt.
pt.o: Was sind die typischen Fehler Deiner Gegner?
Hilm: Der wichtigste Aspekt bei Heads-up ist Adaption, d.h. man muss sich an seinen Gegner anpassen können. Die meisten Spieler können nur einen Pokerstil spielen und sind nicht in der Lage das Tempo zu wechseln.
pt.o: Wie schlägst Du Profit aus den Fehlern Deiner Gegner?
Hilm: Sobald ich den Stil eines Spielers identifiziert habe, überlege ich mir eine Gegentaktik und bestrafe den Gegner für seine Fehler. Wenn zum Beispiel jemand sehr loose/passive spielt, dann spiele ich etwas tighter als sonst und fokussiere mich mehr darauf hohe Karten zu spielen und hohe Bets, sogar Overbets zu machen, um meinen Gegner für sein niedriges Pärchen zu bestrafen. Spielt mein Gegner zu tight/aggressive, dann spiele ich etwas lockerer, konzentriere mich mehr auf suited connectors und darauf, öfters kleinere Bets zu machen. Effektiv stehle ich so mehr Pötte, während ich gleichzeitig versuche ein Monster zu floppen und all seine Chips zu klauen.
pt.o: Was ist Poker für Dich? Ein Beruf, ein Nebenjob oder ein Hobby?
Hilm: Poker ist für mich beides: mein Beruf und mein Hobby. Man benötigt sehr viel Disziplin, wenn man sein Haupteinkommen mit Pokern verdienen will. Die Vorteile sind allerdings fantastisch. Ich arbeite wann ich will und wo ich will. Dazu kommt noch, dass ich damit einen Haufen Geld verdiene.
pt.o: Wie viel Geld verdienst Du monatlich mit Online-Poker?
Hilm: Im ersten Jahr verdiente ich $50.000 durch Online-Poker. Damals war das sehr viel Geld. Heute gewinne oder verliere ich den gleichen Betrag in einem Monat.
pt.o: Wie oft siehst Du Leute, die in zu hohen oder zu schwierigen Limits spielen?
Hilm: Fast jeden Tag. Die Leute spielen aus unterschiedlichen Gründen oder haben unterschiedliche Motive. Nicht jeder spielt um davon Leben zu können. Ich treffe auf viele "hit-and-run" Spieler, die einfach mal ihr Glück probieren wollen. Sie kaufen sich meistens für wenig Geld ein, verlieren oder verdoppeln ihr Geld und gehen dann wieder. Dies sind auf keinen Fall Profis. Wenn ich so spielen würde, wäre ich innerhalb eines Monats arbeitslos. Trotzdem haben die meisten Spaß dabei und auch eine realistische Chance etwas Geld zu gewinnen - und darauf kommt es an.
pt.o: Interessierst Du Dich für Pokerturniere? Warum oder warum nicht?
Hilm: Ich hatte ein paar gute Resultate bei Online-Pokerturnieren. Ich habe das Party Poker Sonntags-Turnier, mit einem Preisgeld von über $100.000, und ein paar kleinere Turniere gewonnen. Aber heutzutage spiele ich Turnier lieber live. Mir gefällt die gesellschaftliche Komponente von Pokerturnieren sehr gut...und ich werde ein WSOP Armband gewinnen ;-)
pt.o: Was für Tipps kannst Du durchschnittlich-guten Spielern geben, die ihr Spiel verbessern wollen?
Hilm: Von der technischen Seite aus, kann ich nur empfehlen weiter Heads-up Cash Games zu üben, üben, üben. Versuche Dich wirklich auf Deinen Gegner und seinen Stil zu konzentrieren. Wenn Du Dein heads-up Pokerspiel verbesserst, dann wird dies auch alle anderen Bereiche des Pokerspiels verbessern.
Von der psychologischen Seite aus, kann ich Euch nur empfehlen, dass Ihr Euch an Bad Beats gewöhnt. Der einzige Grund wieso schlechte Spieler weiter spielen sind Bad Beats. Wenn schlechte Spieler einen großen Pott gewinnen, denken sie weiterhin, dass sie gute Spieler sind. Ich verdiene Geld weil viele Leute schlecht Poker spielen. Bad Beats sind also der Hauptgrund wieso ich Geld verdiene. Es ist viel einfacher solides Poker zu spielen, wenn man die Existenz von Bad Beats beginnt zu schätzen.
The Weekly Shuffle ist unsere Sonntagskolumne mit Beobachtungen und Kommentaren zur Pokerwelt. Habt ihr eine Idee für einen neuen Artikel? Email suggestions@pokertips.org
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