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Andere sprachen:


Rechtliche Entwicklungen In Der Glücksspielszene

THE WEEKLY SHUFFLE, 2006-09-17, von TwoGun, Mercy

Die Pokerwelt wurde in der letzten Zeit von ein paar Verhaftungen, Anklagen, Gerichtsprozessen und einer Anti-Gambling Gesetzesvorlage schwer getroffen. Wenn man in der Zeit nicht unsere Poker Nachrichten gelesen hatte, dann kann es schon sein, dass man ein paar Geschichten und Ereignisse verpasst hat. In dieser Ausgabe unseres Weekly Shuffles werden wir sowohl die gesetzlichen Entwicklungen in der Pokerwelt zusammenfassen, als auch auf deren Auswirkungen eingehen.

Der Jamie Gold Fall

Die letzten drei WSOP Champions machten alle positive Schlagzeilen in der Pokerszene. Chris Moneymakers Erfolg war wie ein Märchen, dass den Online-Poker Boom auslöste. Raymer und Hachem wurden zu zwei sehr beliebten und respektierten Persönlichkeiten in der Pokergemeinschaft. Jamie Gold, der Gewinner der WSOP 2006, konnte aber bisher nicht mit positiven Schlagzeilen glänzen, sondern muss sich mit einem Rechtstreit auseinander setzen.

Jamie Golds Startgeld für das Main Event der WSOP 2006 wurde von dem Online-Pokerraum Bodog bezahlt. Als Gegenleistung erwartete das Unternehmen von dem ehemaligen Agenten, dass er ein paar seiner berühmten Schauspieler Freunde dazu überredet Bodog Kleidung während der WSOP zu tragen. Um die Vereinbarung mir Bodog einhalten zu können, bat er Crispin Leyser um Hilfe. Crispin Leyser half Jamie Gold dabei, seine Vereinbarung mit Bodog einzuhalten und überredete ein paar Promis dazu Bodog Kleidung zu tragen. Leyser behauptet jetzt, dass Gold ihm die Hälfte seines WSOP Gewinn als Gegenleistung versprach.

Leyser behauptet weiterhin, dass eine Tonbandaufnahme seines Anrufbeantworters diese Behauptung bestätigen kann. Golds Antwort auf Leyser Behauptung und Anklage ist, dass er von Leysers Anklage enttäuscht ist. Gold wurde auf $6 Millionen, die Hälfte seines WSOP Gewinns, verklagt. Leyser konnte bisher erreichen, dass nur $6 Millionen an Gold ausgezahlt wurden, während das restliche Geld, bis zum Ende des Rechtstreits, von Harrahs' einbehalten wird.

Der Jamie Gold Fall wird sehr wahrscheinlich keinen größeren Einfluss auf die Pokergemeinschaft haben. Der derzeitige Rechtstreit wirkt sich zwar negativ auf das Image von Pokerspielern aus, aber dies wird den einzelnen Pokerspieler nicht wirklich negativ beeinflussen. So wie es aussieht, werden sich Gold und Leyser einigen. Sobald die beiden Parteien den Rechtstreit geklärt haben, wird der Fall schnell vergessen sein und als Fußnote in die Pokergeschichte eingehen.

In der Pokerszene ist es normal das Pokerspieler miteinander mündliche Vereinbarungen eingehen oder sich von anderen Personen finanzieren lassen. Die Buy-ins von landbasierten Pokerturnieren sind oft so hoch, dass in Kombination mit einer hohen Varianz, Pokerspieler langfristig Sponsorenverträge eingehen müssen, um die Turniere finanzieren zu können. Die beiden WSOP Champion Raymer und Moneymaker gingen beide vor der WSOP Deals mit Personen ein. Raymer hatte Leute die ihn finanzierten und Moneymaker verkaufte Anteile seines Gewinns vorab an seinen Vater und einen Freund. Im Nachhinein wurden alle beteiligten Personen ausbezahlt.

Der Richard Lee Fall

Zu Anfang erschien es so, dass die Nummer 6 des WSOP Main Events der einzige Finalist ohne Interesse an und Involvierung in der Glücksspiel-Industrie sei. Während alle anderen Finalisten Verträge mit Online-Pokerräumen eingingen, entschied sich Richard Lee dazu am Pokertisch nur seine Heimatstadt San Antonio zu vertreten. Er wurde berühmt dafür, dass er nur ein San Antonio Sweatshirt trug und sagte "Das einzige was ich befürworte ist Gott, meine Familie und die Stadt San Antonio".

Wie es scheint erwidert die Stadt San Antonio seine Liebe nicht. Die San Antonio Polizei durchsuchte erst kürzlich sein Haus, da er wegen illegalem Glücksspiel unter Verdacht stand. Er wurde verdächtigt illegale Sportwetten anzubieten. Seit der Hausdurchsuchung ist zwar viel passiert, jedoch wurde Richard Lee bisher nicht verhaftet.

Während dieser Vorfall zwar sehr interessant ist, so wird er doch keinen Effekt auf die Pokergemeinschaft haben. Jemand der an der WSOP teilnimmt, repräsentiert nicht automatisch die Pokergemeinschaft, so wie es zum Beispiel der Main Event Gewinner tut. Der Main Event Gewinner der WSOP wird automatisch zu einem Superstar und der im Blickpunkt des öffentlichen Interesses steht. Aber nur sehr wenige Leute erinnern sich noch daran, wer den vierten, fünften oder sechsten Platz belegte. Deswegen werden wir in diesem Artikel nicht weiter auf den Vorfall eingehen.

Der BetonSports Fall

Vor ungefähr zwei Monaten wurde der Vorstandsvorsitzende von BetonSports, David Carruthers, in den USA verhaftet. Das US Department of Justice wirft ihm und seinem Unternehmen vor, mehrer Straftaten begangen zu haben. Dem Besitzer des Unternehmens wird nach gesagt, dass er Beziehungen zu der Mafia habe, weshalb die Behörden wahrscheinlich ein Auge auf ihn und sein Unternehmen geworfen hatten.

Ein Großteil der Anklagen gegen das Unternehmen basiert auf dem so genannten "Wire Act" aus den 60ern. Ziel des "Wire Acts" ist die Bekämpfung des organisierten Verbrechens. Weiterhin wird dem Unternehmen Geldwäscherei und andere, steuernbasierte Vergehen, vorgeworfen.

Dieser Fall hat das Unternehmen BetonSports so gut wie zerstört. Die Website des Unternehmens funktioniert nicht mehr. Die Mitglieder können das Geld auf ihren Konten auch nicht mehr abzahlen. Es wird behauptet und vermutet, dass das Unternehmen mittlerweile insolvent ist. Der BetonSport Fall hat in erster Linie monetäre Auswirkungen auf jeden, der noch Geld auf seinem BetonSports Konto hatte. Ob der Vorfall noch weitere Auswirkungen haben wird ist nicht klar. Es ist aber eher unwahrscheinlich.

HR 4411: Unlawful Internet Gambling Enforcement Act of 2006

Die Anti-Internet-Glückspiel Gesetzesvorlage wurde im Abgeordnetenhaus mit 319 zu 93 Stimmen verabschiedet. Ziel ist es den Amerikanern den Zugang zu Online-Glücksspiel-Websites zu verbieten, indem man den Bank und Finanzinstituten verbietet, Zahlungen an solche Unternehmen zu tätigen. Es soll verhindert werden, dass Amerikaner online Glücksspiele spielen, zu denen auch Poker gehört. Unerklärlicher Weise werden Wetten auf Pferderennen, Fantasy Sports und Lotterien von dieser Gesetzesvorlage nicht berührt, obwohl es sich dabei auch um Glücksspiele handelt.

In der letzten Zeit wurde der Gesetzesvorlage sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Solche Gesetzesvorlagen wurden bereits in vorherigen Kongressperioden vorgelegt. Sie wurden aber bisher ignoriert, da Online-Glücksspiele auch noch nie so populär waren wie sie es heute sind. Vor 10 Jahren hätte niemand diese Gesetzesvorlage interessiert. Heute ist die Entscheidung über solch eine Gesetzesvorlage sehr viel strittiger.

Zwei mächtige Gruppen sind gegen dieses Gesetz und versuchen es zu verhindern. Zum einen sind es die landbasierten Casinos, die von dem Online-Poker Boom profitiert haben. Die meisten Leute starten heute ihre Poker "Karriere" online, bevor sie dann anfangen Ausflüge in ein richtiges Casino zu unternehmen. Sie beginnen online zu spielen, werden besser und wollen dann irgendwann ihr Glück und Können in einem richtigen Casino probieren. Wenn das Gesetz durchkommen würde, dann würden die Casinos diese Art von Spieler verlieren.

Der zweite Sektor, der durch das Gesetz beeinflusst werden würde, ist der Finanzsektor. Um dem Gesetz nach zu kommen, müssten alle Finanzinstitute ihre elektronischen Geldtransfer-Systeme überarbeiten. Die Banken müssten sehr viel Geld und Zeit investieren, was vor allem für die kleineren Banken zu einem großen Problem werden könnte. Der monetäre und zeitliche Aufwand ist in den Augen der Banken einfach zu groß.

Es ist nicht sicher mit welcher Wahrscheinlichkeit diese Gesetzesvorlage durchkommen wird. Der Senat wird sich am 6. Oktober vertagen, was bedeutet, dass über die Gesetzesvorlage in den nächsten drei Wochen abgestimmt werden müsste, um durch zu kommen. Es scheint so, als gäbe es Gründe, die dazu führen, dass es zu einer solchen Abstimmung nicht kommen wird. Es soll aber von Senate Majority Leader Bill Frist versucht werden, Teile der Gesetzesvorlage in den Konferenzbericht der Department of Defense Authorization Gesetzesvorlage zu integrieren. Wir werden sehr wahrscheinliche nächste Woche schon herausfinden, ob und zu welchem Grad Teile der Gesetzesvorlage integriert werden konnten.

Der Peter Dicks Fall

Der Vorsitzende von Sportingbet, eines der größten Online-Gambling Unternehmen, wurde erst kürzlich in den USA verhaftet. Der amerikanische Bundesstaat Louisiana klagt ihn wegen Verletzens des "Gambling by Computer"-Gesetzes an. Zu Sportingbet gehören verschiedene Sportwettenanbieter, so wie der Online-Pokerraum Paradise Poker. Da das Unternehmen auch Wetten aus dem Bundesstaat Louisiana annimmt, kam es zu diesem Vorfall. Peter Dicks wurde in New York verhaftet, weshalb Louisiana seine Auslieferung forderte. Am 14. September lehnte das Büro des Gouverneurs die Auslieferung ab und das Gericht ließ ihn wieder nach Großbritannien zurückkehren. Nach der Anhörung trat Peter Dicks von seiner Position als Vorsitzender zurück und reiste ab. Er muss am 28. September wieder in New York zu einer Anhörung erscheinen, wo wir dann hoffentlich mehr erfahren werden.

Sportingbet ist nicht wie BetonSports am Boden zerstört, sondern die geschäftlichen Aktivitäten laufen wie bisher weiter. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Unternehmen seinen ehemaligen Vorsitzenden aggressiv verteidigen wird. Eine Verurteilung könnte schwere Folgen haben und einen Präzedenzfall für andere Online-Glückspielanbieter schaffen. Der Fall wird vor allem Auswirkungen auf die Marketingstrategien anderer Anbieter haben. Bei einer Verurteilung werden wahrscheinlich viele Glücksspielanbieter ihr Marketingaktivitäten in den USA zurückfahren oder sogar ganz einstellen.

Sportingbet ist ein Unternehmen, das an der London Börse gehandelt wird. Nach der Verhaftung von Peter Dicks wurde der Handel mit den Sportingbet Aktien unterbrochen. Der Aktienhandel wurde jetzt wieder aufgenommen, was dazu führte, dass die Aktie am zweiten Tag um 40% sank. Seit dem BetonSports Fall und den anderen rechtlichen Entwicklungen in der letzen Zeit, ist die Aktie von 400p runter auf 172p gesunken.

The Weekly Shuffle ist unsere Sonntagskolumne mit Beobachtungen und Kommentaren zur Pokerwelt. Habt ihr eine Idee für einen neuen Artikel? Email suggestions@pokertips.org


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