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Netellers Rückzug

THE WEEKLY SHUFFLE, 2007-01-21, von TwoGun

Aufgrund des Unlawful Internet Gambling Enforcement Acts haben sich die meisten Online-Pokerräume vom US-Markt zurückgezogen. Dies führt zu einem großen Wechsel der US-Spieler, ab von den Pokerseiten die keine US-Spieler mehr akzeptierten und hin zu den Pokerräumen die immer noch US-Bürger bei sich spielen lassen.

Seit Inkrafttreten des UIGEAs gab es relativ wenig juristische Entwicklungen in den United States. Aber dies hat sich letzten Montag geändert, als US-Behörden die Gründer von Neteller, Stephen Lawrence und John Lefebvre, verhafteten und wegen Geldwäscherei anklagt haben. Dieser Fall basierte nicht auf dem UIGEA, sondern die Untersuchungen gegen Neteller begannen bereits im Juni 2006 und der UIGEA ist erst im Oktober 2006 in Kraft getreten.

Nachdem die beiden Neteller Gründer wegen Geldwäscherei angeklagt wurden, gab Neteller eine Erklärung ab, dass sie ab sofort keine Geldtransfers mehr von und zu Internet-Glücksspielseiten für ihre amerikanischen Kunden tätigen würden. Die meisten spekulierten, dass das Unternehmen auf kurz oder lang sowieso diese Entscheidung treffen würde. Die Verhaftung der beiden Gründer beschleunigte nur diesen Prozess. Alle Nicht-US Neteller Kunden sind von dieser Entscheidung nicht betroffen und können weiterhin Geld bei Online-Gamblingseiten ein- und auszahlen.

Während zwar die Details zu diesem Fall noch nicht klar sind, werden wir dennoch in diesem Weekly Shuffle Artikel darüber spekulieren, warum das United States Department of Justice (DOJ) sich auf dieses Geldtransfer-Unternehmen gestürzt hat und welchen Effekt dies auf die Online-Pokerwelt haben wird.

Warum Neteller?

Das Department of Justice wählt seine Ziele nicht willkürlich aus. Das DOJ ist auf dem Kriegspfad, um Internet Glücksspiel in den USA zu bekämpfen. Es ist aber auch in den Mitteln limitiert, welche es einsetzen kann. Das DOJ hat nicht die Ressourcen um gegen jede Online-Glücksspielfirma rechtlich vorzugehen und wird sicherlich auch nicht jeden kleinen Glücksspieler anklagen. Wenn sich das DOJ ein Ziel aussucht, dann soll der Effekt daraus maximal sein. Folgend haben wir die vier Ziele und Effekt aufgezählt, welche das DOJ anstrebt:

A. Direkter Effekt: Wenn sie eine der großen Firmen in der Branche aus dem Markt nehmen, dann hat dies einen direkten Effekt auf die Senkung von Glücksspiel im Internet.

B. Indirekter Effekt: In dem sie eine Firma anklagen und so aus dem Markt verdrängen, wird dies auch eine erschreckende Wirkung auf andere Firmen haben, welche dann auch den Markt verlassen werden. Mehr Firmen werden ihren Service nicht mehr US-Spielern anbieten, da jede Firma das nächste Ziel des DOJ sein könnte.

C. Klarer Fall: Das DOJ will ganz klar den Fall gewinnen. Würde das DOJ den Fall verlieren, so würde es unbeabsichtigt andere Firmen dazu ermutigen in den Online-Glücksspiel Markt einzutreten, da jeder annehmen wird, dass die Drohungen des DOJ nur ein Bluff gewesen wären.

D. Strafrechtliche Verfolgung: Das DOJ braucht Individuen, die es vor Gericht bringen und anklagen kann. Das bedeutet, dass diese Personen irgendwann auch in den USA physikalisch anwesend sein müssen, damit man sie verhaften und anklagen kann. Ansonsten wäre eine strafrechtliche Verfolgung nur schwer möglich.

Neteller bzw. deren Gründer strafrechtlich zu verfolgen macht Sinn, wenn man die direkten und indirekten Effekte berücksichtigt. Neteller ist der größte Geldtransfer-Dienstleister im Internet für die Glückspiel-Industrie. Ein Stopp aller Neteller Geldtransfers von und zu Glücksspielseiten würde das Online-Spielen um Geld in Amerika stark reduzieren.

Das DOJ müsste nicht einmal den Fall gewinnen, um die direkten und indirekten Ziele zu erreichen. Allein die Verhaftung der beiden Gründer von Neteller hat Neteller dazu bewegt den US-Markt zu verlassen. Neteller ist dafür bekannt, dass sie den größten Teil der Geldtransfers von Amerikanern zu Online-Glücksspielseiten bearbeiten. Das DOJ hat also bereits einen großen Sieg eingefahren, indem sie Neteller dazu bewegt haben den US-Markt zu verlassen.

Weiterhin hatte die Verhaftung auch schon einen indirekten Effekt gehabt. Viele Leute in der Glücksspiel-Industrie denken jetzt darüber nach, ob es sich lohnt weiterhin ihre Dienstleistungen und Produkte US-Bürgern anzubieten. Ein anderer großer Geldtransfer-Dienstleister für die Internet-Glücksspiel-Branche, Citadel, hat jetzt auch den US-Markt verlassen. US-Bürger, die weiterhin im Internet um Geld spielen, haben jetzt weniger Möglichkeiten ihr Geld ein - und auszuzahlen und die übrig gebliebenen Zahlungsoptionen werden immer dubioser.

Das DOJ ist nicht in der Lage alle Unternehmen zu verfolgen. Denn manche Unternehmen haben ihre Anlagen im Ausland und die Geschäftsführer betreten niemals amerikanischen Boden. Dadurch wird es für das DOJ sehr schwer solche Unternehmen und deren Geschäftsführer oder Vorsitzende strafrechtlich zu verfolgen. Das DOJ war allerdings in der Lage die Gründer von Neteller zu verhaften, da sie sich beide zu der Zeit in den USA befanden. Es ist nicht sicher, ob das DOJ wusste, dass die Gründer von Neteller sich in den USA aufhielten oder ob sie letzten Montag einfach nur Glück hatten.

Wenn es um ein so wichtiges Thema wie Online-Glücksspiel geht, braucht das DOJ einen Fall den es gewinnen kann. Wenn Lawrence und Lefebvre den Fall gewinnen würden oder zumindest nicht ins Gefängnis gehen müssten, dann wäre das ein enormer Rückschlag für das DOJ in Bezug auf deren Anstrengungen Online-Glücksspiel in den USA zu unterbinden. Andere Firmen werden wieder den Markt betreten, weil sie die Drohungen des DOJ nur als leere Drohungen ansehen würden.

Zukunftsprognose

Netellers Rückzug vom US-Markt ist der erste große Rückschlag für die US-Zugewandten Pokerseiten seit dem Inkrafttreten des UIGEAs. Bisher war der UIGEA für die Pokerseiten, die immer noch den US-Spielern zugewandt sind, positiv, da sie dadurch neue und mehr Spieler bekamen, die früher bei den großen Pokerseiten , wie zum Beispiel Party Poker und Pacific Poker, gespielt haben, die aber nach dem UIGEAs den US-Markt verlassen haben.

Eine Pokerseite zu wechseln ist einfach, aber zu einem neuen Online-Zahlungsdienstleister zu wechseln ist etwas aufwendiger. Pokerhaie werden wahrscheinlich eine Lösung zu dem Neteller Problem finden. Es wird für einen professionellen Pokerspieler immer noch nervig sein den Anbieter zu wechseln, da Neteller das Transferieren von Geld zwischen Online-Pokerseiten sehr erleichterte. Bei Neteller war man sich auch sicher, dass das Geld gut aufgehoben war. Diesen Grad von Liquidität und Sicherheit hat man nicht bei jedem Online-Zahlungsdienstleister

Die logische Alternative zu Neteller ist für US-Zugewandte Pokerseite E-Checks (ACH Transaktionen). Dies ist dieselbe Zahlungsmethode die US-Bürger benutzt haben, um ihr Neteller Konto aufzufüllen. Der einzige Unterschied wäre der, dass sie jetzt das Geld direkt auf ihr Pokerkonto einzahlen würden, anstatt ein Intermediär zu benutzen. Ein paar der großen US-Zugewandten Pokerseiten können keine E-Checks mehr akzeptieren, da viele der E-Checks Serviceanbieter nicht mehr mir den US-Zugewandten Pokerseiten zusammenarbeiten wollen. Weiterhin wird ein Großteil der gewöhnlichen Pokerspieler ungern seine Bankinformationen an die Pokerseiten weitergeben und ihnen einen Check ausstellen.

Basierend auf meinen Untersuchungen, haben die Zahlungsmethoden, welche von kleinen Unternehmen angeboten und jetzt von den Pokerseiten empfohlen werden, bei weitem nicht das Vertrauen der Nutzer wie es Neteller hatte. Weiterhin haben amerikanische Spieler Probleme ihr Geld von den Pokerseiten auszuzahlen. Die meisten Amerikaner haben bisher Neteller oder E-Check verwendet, beides Zahlungsmethoden die jetzt nicht mehr zur Verfügung stehen. Zumindest hat ein US-Zugewandter Pokerraum berichtet, dass es ihnen nicht mehr möglich ist Geld per Papiercheck auszuzahlen.

US-Spieler sind jetzt gezwungen für Einzahlungen Methoden zu verwenden, die sie nicht kennen und teilweise dubios erscheinen. Die Auszahlungen sind sehr oft auch nicht zuverlässig. Es besteht kein Zweifel darin, dass dies zu einem Massen-Exodus von US-Pokerspielern führen wird. Die gewöhnlichen Spieler werden sich nicht damit beschäftigen wollen herauszufinden, wie diese neuen Zahlungsmethoden funktionieren. Das bedeutet, dass die Spiele bei den US-Zugewandten Pokerräumen noch härter werden, da sich meist nur die Pokerhaie die Mühe machen einen Weg zu finden, um das Neteller-Problem zu lösen.

Härtere Spiele bei den US-Seiten wird dazu führen, dass die US-Spieler und europäischen Spieler das Interesse verlieren werden dort zu spielen. Ich gehe davon aus, dass in vier Monaten die amerikanische Spielerbasis der topp US-Zugewandten Pokerseiten um die Hälfte geschrumpft sein wird. Je nach dem wie abhängig die Pokerräume von den US-Spielern sind, kann dies zu einer Reduzierung der gesamten Spielerbasis um 50% führen, vielleicht sogar mehr.

Weiterhin stelle ich die Behauptung auf, dass die US-Zugewandten Pokerseiten, die nicht von den US-Spielern abhängig sind, sich auch von dem US-Markt zurückziehen werden. Wenn 95% des Umsatzes eines Pokerraumes von US-Spielern abhängig ist, dann wird der Pokerraum alles dafür tun, um in dem US-Markt zubleiben. Aber wenn nur 30% der Kunden aus Europa kommen, kann es sein, dass sie sich vom US-Markt zurückziehen werden.

Es ist klar, dass das DOJ sich die großen Fische der Online-Glücksspiel-Industrie raussucht, welche Wetten von US-Bürgern akzeptieren. Nicht nur müssen sich die Geschäftsführer solcher Unternehmen fürchten amerikanischen Boden zu betreten, sondern sie sind auch teilweise nicht mehr in der Lage ihren Kunden den vollen Service anzubieten. Es gibt auch viele Banken und Marketing Gruppen, die nicht mehr bereit sind mit US-Zugewandten Pokerräumen zusammen zu arbeiten. Diese drei Faktoren kombiniert kann es für die Pokerräume uninteressant machen, weiterhin US-Spieler zu akzeptieren, wenn sie auch ohne sie auskommen können.

The Weekly Shuffle ist unsere Sonntagskolumne mit Beobachtungen und Kommentaren zur Pokerwelt. Habt ihr eine Idee für einen neuen Artikel? Email suggestions@pokertips.org


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