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Andere sprachen:


Interview: Ari "BodogAri" Engel

THE WEEKLY SHUFFLE, 2007-07-01, von Ozone

Alter:23
Zuhause in: Brooklyn, NY
Größter Gewinn: $46.000 online, $63.000 live
Bekannt für: Über $1.000.000 Gewinn durch Online-Turniere

Ari "BodogAri" Engel ist einer der gefürchtesten Multi-Table-Turnier (MTT) Spieler online. Diese Woche hat sich Ari die Zeit genommen, um mit uns ein paar Turnier-Strategien zu besprechen sowie uns zu erzählen wie er zum Pokern kam.

PokerTips.org: Als erstes, erzähl uns Ari wie du überhaupt zum Pokern kamst und wie lange du schon spielst.

Engel: Mein Zimmergenosse im College spielte immer. Ein paar Monate lang schaute ich ihm immer zu, wenn ich nicht gerade Vorlesung hatte. Damals spielte ich noch nicht, aber irgendwann, nachdem ich ihm lang genug zugeschaut hatte, begann ich dann $5 und $10 Sit-N-Gos (SNG) zu spielen. Die nächsten neun Monate machte ich meinen Abschluss, spielte viele low-stakes Spiele und machte dabei etwas, aber nicht viel Geld. Nach meinem Abschluss vom College hörte ich auf online zu zocken, denn ich hatte Schulden auf Grund meiner Ausbildung und nur wenig Geld. Ich spielte weiterhin in privaten low-stakes Spielen, als mir jemand von einer tollen online Pokerseite erzählte. Zehn Tage nachdem ich mich dort angemeldet hatte, hatte ich mehr Geld gewonnen als ich meinem Job pro Jahr verdiente. Also kündigte ich!

PokerTips.org: Im Vergleich zu den anderen topp Spielern, hast du das Gefühl, dass Poker dir einfach liegt oder was hat dir dabei geholfen ein topp Pokerspieler zu werden?

Engel: Irgendwie schon. Während der College Zeit konnte ich kaum Geld mit Pokern verdienen und dann auf einmal habe ich die Spiele dominiert und eigentlich kann ich nicht sagen wie es dazu kam. Natürlich habe ich mit der Zeit versucht mein Spiel zu verbessern.

PokerTips.org: Wenn es mit dem Pokern nicht geklappt hätte, was würdest du dann jetzt wahrscheinlich tun?

Engel: Ich war auf der New York University und habe einen Abschluss in Management & Organizational Behavior and Finance. Ich hatte nach dem College einen Job in einem Startup-Unternehmen. Während meiner College-Zeit war es mein Ziel einmal an der Wallstreet zu arbeiten und dann irgendwann für eine Beratungsunternehmen zu arbeiten.

PokerTips.org: Du bist am meisten für deine Erfolge bei MTTs bekannt. Spielst du manchmal auch Cash Games und SNGs? Wenn ja, in welchen Limits?

Engel: Ein Jahr lang spielte ich $2-$4 No-Limit nonstop. Dort habe ich einen Großteil meiner Bankroll aufgebaut. Ich habe das Spiel damals dominiert, aber sie waren auch voll von Sportwetten-Zockern und allgemein unerfahrenen Pokerspielern. Ich habe das Gefühl, dass ich zurzeit nicht gut genug bin, um die höheren Cash Games zu schlagen und deswegen versuch ich es auch gar nicht.

SNGs habe ich eine Zeit lang gespielt, wenn ich gerade aus dem jeweiligen MTT des Tages rausgeflogen bin. Damals ging ich aber an die SNGs mit der gleichen Strategie ran, wie ich auch die MTTs spielte. Kombiniert mit ein bisschen Pech in den high-stakes SNGs und schon sank meine Bankroll um $20.000. Heute denke ich, habe ich einen Vorteil in den meisten SNGs, aber ich spiele sie trotzdem nicht sehr oft. Der Fakt, dass ich maximal das Fünffache des Buy-ins gewinnen kann, limitierte die Vorteile meine Spielstils zu sehr.

PokerTips.org: Wie viele MTTs spielst du allgemein pro Woche online?

Engel: Meistens zwischen 50 und 60. Diese Zahl hat aber während meiner Pokerkarriere sehr stark variiert. Aber jetzt weigere ich mich mehr als vier Tische zugleich zu spielen.

PokerTips.org: Es ist kein Geheimnis, dass die Varianz bei MTTs sehr groß ist und brutal sein kann. Wie gehst du mit den emotionalen und finanziellen Schwankungen um, die das Spiel mit sich bringt?

Engel: In der Vergangenheit habe ich einmal 48 Turniere in Folge verloren. Was ich versuche ist zu akzeptieren, dass zum Pokern das Verlieren dazu gehört und das zu meinem Vorteil zu nutzen. Die meisten Leute haben zu viel Angst davor aus einem Turnier raus zu fliegen und verstehen nicht, dass solche eine Varianz, wie du sie erwähnt hast, zu dem Spiel dazu gehört. Die besten Spieler der Welt gewinnen nicht sehr oft (wobei ein Gewinn erster bis dritter Platz bedeutet). Zu wissen, dass ich nicht sehr oft gewinnen werde, hilft mir mit meinen Emotionen und bei meiner Strategie. Auf der anderen Seite kann das ständige Verlieren einen auch ganz schön frustrieren. Aber wenn ich daran denke, wie viel ich bereits gewonnen habe und das zum Gewinnen auch das Verlieren gehört, hilft mir das weiter. Im Endeffekt muss man einfach sich selbst kontrollieren können, um in diesem Spiel gut zu sein. Man muss einfach ein "Mann" sein und akzeptieren, dass man nicht immer gewinnen kann.

PokerTips.org: Für unsere Leser, die sich nicht mit den Varianzen von MTTs auskennen, beschreibe doch bitte einmal wie eine Pechsträhne aussehen kann.

Engel: Ich fokussiere mich nicht auf meine Resultate, wenn ich von einer Pechsträhne rede. Eine schlechte Phase kann man aus was für Gründen auch immer bekommen. Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Deswegen beobachte ich auch immer mein Spiel und such nach Löchern. Wenn ich in einer kurzen Zeit viel Geld in Turnieren verliere, dann ersetze ich ein paar meiner high-stakes Turniere durch Turniere mit niedrigeren Buy-ins und einer schwächeren Konkurrenz. Weiterhin spiele ich auch nicht Poker, wenn ich nicht absolut Lust dazu habe. Mann kann sehr schnell in einen "Zombie"-Modus geraten und sich für ein Turnier nach dem anderen anmelden, obwohl man offensichtlich gerade nicht sehr gut spielt. Pausen einzulegen, egal ob 15 Minuten, 15 Stunden oder 15 Tage, ist ein Muss! Ich habe es meinen Pausen zu verdanken, dass ich zehntausende von Dollars nicht verloren habe.

PokerTips.org: Wie stark willst du an der WSOP teilnehmen?

Engel: Eigentlich hatte ich geplant gehabt mich stark in der WSOP zu involvieren, aber die WSOP ist halb um und ich habe gerade mal zwei Events gespielt (keine Resultate). Wir werden also sehen, aber ich plane noch mehr zu spielen. Ein WSOP-Armband zu gewinnen wäre offensichtlich was Feines.

PokerTips.org: Was machst du gerne, wenn du nicht gerade pokerst?

Engel: Natürlich mache ich gerne Urlaub oder arbeite manchmal auch nur "halbtags", aber die meiste Zeit verbringe ich damit zu pokern.

PokerTips.org: Beschreibe ein paar der Schwächen deines Pokerspiels.

Engel: Da gibt es zu viele um sie alle aufzulisten. Beim Pokern geht es um Balance und da arbeite ich zurzeit dran.

PokerTips.org: Was bevorzugst du: Eine enorme Bankroll zu haben und fast unbekannt zu sein oder eine kleinere Bankroll zu haben, aber dafür ein bekannter TV-Poker-Profi zu sein?

Engel: Ich bevorzuge Anonymität und Bargeld. Ich mag den Gedanken eine bekannter Poker-Profi zu sein, weil man dann möglicher Weise gesponsert wird, aber ich möchte nicht Pizza essen gehen wollen und dann gleich von jedem erkannt werden.

PokerTips.org: Hast du irgendwelche Ziele für dich gesteckt, die du in der Pokerwelt erreichen willst?

Engel: Ja, nämlich "mein Spiel" 80% der Zeit zu spielen.

PokerTips.org: Und zum Schluss: Was sind ein paar der Fehler von mittelmäßigen Turnierspielern, die sie davon abhalten zu den topp Spielern zu gehören?

Engel: Eine sehr eingeschränkte Denkweise. Kreativität ist unterbewerteter Aspekt von Turnierpoker.

The Weekly Shuffle ist unsere Sonntagskolumne mit Beobachtungen und Kommentaren zur Pokerwelt. Habt ihr eine Idee für einen neuen Artikel? Email suggestions@pokertips.org