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Skandalös

THE WEEKLY SHUFFLE, 2007-10-21, von Ozone

Die Online-Pokerwelt war diese Woche mal wieder voller Dramen, dank zweier Skandale die beide mit Betrug zu tun haben. Als erstes hat sich diese Woche herausgestellt, dass dem Gewinner des größten Online-Pokerturniers in der Geschichte (welches diesen Monat stattfand) sein Preisgeld konfisziert wurde, weil er betrogen haben soll. Der zweite Skandal war die Identifizierung des Täters oder der Täter des Absolute Poker Skandals, wobei es sich tatsächlich um Absolute Poker Insider gehandelt hat. Holt Euer Popcorn und macht Euch bereits, dies war eine verrückte Woche.

Konfisziert: $1.228.330,50 Online Poker Payday

PokerStars World Championship of Online Poker (WCOOP) Main Event ist, mit einem Buy-in von $2.500+$100, eines der teuersten Online-Pokerturniere des Jahres. Trotz dem hohen Buy-in konnte es 2.998 Spieler nicht davon abhalten am September an dem Online-Turnier des Jahres teilzunehmen.

Nach dem der Staub sich wieder gelegt hat und der Kampf um die $1.228.330 Preisgeld für den Erstplatzierten vorbei war, stand nur noch "TheV0id" als einziger Pokerkrieger auf dem Schlachtfeld des WCOOP Main Events. Das PokerStars Sicherheits-Team hat sofort nach TheV0id's Sieg mit der Untersuchung der Legitimität des Siegs begonnen, was bei solchen Turnieren eine standardmäßige Prozedur ist.

Überraschender Weise hat PokerStars, zwei Wochen nach dem die Untersuchungen begonnen hatten, bekannt gegeben, dass TheV0id gegen PokerStars Richtlinien verstoßen haben und deswegen sein Preisgeld konfisziert wurde. Alle Turnierteilnehmer rückten mit Ihrer Turnierplatzierung eine Stufe nach oben. Am meisten profitierte davon der ursprünglich Zweitplatzierte, ka, dessen Preisgeld sich von $850.000 auf $1.378.000, plus eine Goldkette, erhöhte. PokerStars Mitglied Vanessa Rousso belegte ursprünglich den dritten Platz und ihre Auszahlungssumme erhöhte sich von $464.000 auf $700.000.

Die Nummer 6 des Turniers, nitbuster, hat diese Woche selber einen kleinen Skandal ausgelöst. Es wurde gemunkelt, dass sich hinter dem nitbuster-Konto niemand anderes als 2004 WSOP Drittplatzierter, Josh Arieh, verstecke. Bisher spielte Josh Arieh bei PokerStars unter dem Namen "Rasorbax". In einem Interview gab er jetzt zu, dass er jetzt nitbuster sei. Als er gefragt wurde was mit seinem "Razorbax"-Konto sei, sagte er, dass PokerStars ihm erlaubte den Namen seines Accounts zu ändern, aber er wüsste nicht wie es geschehen sei. In dem WCOOP Main Event erhöhte sich Ariehs Auszahlung von $232.000 auf $307.000, dank TheV0id's Disqualifikation.

Was genau TheV0id angestellt hat, um disqualifiziert zu werden, ist nicht klar. Eine populäre, aber nicht verifizierte Geschichte ist, dass TheV0id das PokerStars-Konto von Poker-Profi Mark Telschers Schwester ist. Telscher selbst spielt bei PokerStars unter dem Namen "play2kill". Auch dieses PokerStars-Konto nahm an dem Turnier teil. Angeblich hat Telscher auch das Konto seiner Schwester benutzt, um an dem Turnier mit mehreren Konten teilzunehmen. Nach dem Sieg hat vielleicht das PokerStars Sicherheits-Team Telschers Schwester kontaktiert, um zu verifizieren, dass sie an dem Turnier teilgenommen hat. Die Schwester gab vielleicht zu, dass sie keine Ahnung habe was WCOOP sei und sie auch nichts von ihrem Sieg wusste. Nochmals, es handelt sich hierbei nur um Spekulationen, aber zurzeit ist dies die populärste Theorie, welche TheV0id's Disqualifikation erklärt.

PokerStars ist sicherlich nicht darüber erfreut, dass ihr größtes Turnier von solch einem Schatten bedeckt wurde, aber man kann die ethische Handhabung der Situation von PokerStars nur loben und allen anderen Pokerräumen als ein beispielhaftes Verhalten empfehlen. Aber wechseln wir das Thema und kommen wir zu einem weniger ethischen Pokerraum...

Der Absolute Poker Skandal Involviert Insider

Vor vier Wochen berichteten wir detailliert über einen Skandal bei Absolute Poker. Es wurde vermutet, dass es mehreren Konten möglich war die Karten der anderen Spieler zu sehen. Diese Macht ermöglichte es Ihnen hunderttausende von Dollars von ihren Gegner zu stehlen. Vor vier Wochen war es noch unklar, ob und wie diesen Besitzern der verdächtigen Konten es möglich war, die Karten ihrer Gegner zu sehen. Diese Woche wurde des Rätsels Lösung der Pokerwelt veröffentlicht.

CrazyMarco, ein Spieler der in einem $1.000 Buy-in Turnier am 12. September heads-up gegen eins dieser Superkonten (POTRIPPER) verlor, schrieb Absolute Poker an und forderte die Hand History des Finaltischs an. Nach dem POTRIPPER ein All-in mit 10-high callte und damit das Turnier gewann (CrazyMarco hat ein 9-high Flush Draw und verpasste sein Flush) wurde er misstrauisch. Ein paar Tage später bekam er von Absolute Poker eine Email mit einer 10 MB großen Excel-Datei als Anhang. Die Daten der Datei schienen durcheinander zu sein und er wusste zu erst nicht was er damit Anfangen solle.

In den folgenden Tagen ging der Absolute Poker Skandal wie eine Lawine durch die Pokerszene. CrazyMarco entschied sich Anfang dieser Woche dazu sich noch einmal genauer die Daten anzuschauen, welche Ihm Absolute Poker zugesendet hatte. Nachdem er die Daten entwirrt hatte, war das was hervorkam erstaunlich. Die Datei, die Absolute Poker ihm zugesendet hatte, enthielt nicht nur seine Karten, sondern die Karten aller Spieler die an diesem Turnier teilgenommen hatten. Die Tabelle endete nach 2 Stunden und 20 Minuten des Turniers, weil eine Excel-Datei nicht fähig ist alle Daten eines solchen Turniers zu fassen.

CrazyMarco teilte sein Wissen und seine Datei mit anderen in der Pokergemeinschaft. Basierend auf den Hand Histories, die die Datei hergab, wurde es sehr schnell ganz deutlich, dass POTRIPPER die Karten seiner Gegner kennen musste. Dank Nat Arem kam ein Großteil der schockierenden Informationen ans Tageslicht.

Nat realisierte, dass jedes Mal wenn ein Beobachter einen Tisch öffnete oder schloss, seine IP-Adresse, seine Email-Adresse und seine ID Nummer gespeichert wurde. Bei dem größten Teil der Beobachter-Daten handelte es sich a) um jemanden der innerhalb weniger Minuten einen Tisch öffnete und wieder schloss und b) um sechsstellige ID-Nummern im hunderttausender Bereich. Ein Konto mit der ID-Nummer 975000, bedeutet zum Beispiel, dass es sich hierbei um das 975.000ste Absolute Poker-Konto handelt. Ein Beobachter viel aber aus der Rolle.

Dieser Beobachter öffnete den Tisch an dem POTRIPPER saß nach der zweiten Hand des Turniers (POTRIPPER spielte die ersten beiden Hände des Turniers nicht). Der Beobachter blieb an POTRIPPERS Tisch so lange wie die Datei das Turnier dokumentierte und POTRIPPER spielte die nächsten zwanzig Minuten jeden Hand, bis ein Gegner zwei Könige auf die Hand bekam. Die ID-Nummer des Beobachters war 363, eine niedrige Zahl, die auf ein Benutzerkonto zurückschließen lässt, welches in den Anfängen von Absolute Poker kreiert worden sein musste. Nat schrieb in seinem Blog, dass das Konto wahrscheinlich von Absolute Poker oder einem der mit Absolute Poker in Verbindung steht kreiert wurde. Es musste so etwas wie ein Test-Konto sein, welches am Anfang des Systems kreiert wurde.

Als nach der IP-Adresse von Benutzer Nummer 363 in der Datei gesucht wurde, fand man ein weiteres Beobachterkonto mit identischer IP-Adresse. Dieses Konto, mit der Email-Adresse von scott@rivieraltd.com, beobachtete den Tische von dem Absolute Poker gesponserten Poker-Profi Mark Seif, kurz bevor dieser den Tisch verließ. Ein Ping zu der rivieraltd.com Domain führt zu einem Mail-Server und einer IP-Adresse, welche zu Absolute Poker gehört. Um es einfacher zu machen: Das Beobachterkonto mit der niedrigen ID-Nummer steht in Verbindung mit einer IP-Adresse, die Absolute Poker gehört!

Das TwoPlusTwo Forums berichtete, dass die gleiche IP-Adresse von einem ihrer Mitglieder, scotttom, verwendet wurde. Absolute Pokers Präsident in 2005 hieß Scott Tom.

Wem gehört jetzt also das POTRIPPER Konto? Jetzt wird es noch beunruhigender. "Adanthar" zufolge, einem angesehenen Moderator des TwoPlusTwo Forums, hat ihm eine Quelle bei Absolute Poker mitgeteilt, dass das Konto einem gewissen AJ Green gehöre. Wäre ist jetzt AJ Green? Ein ehemaliger "Director of Operations" bei Absolute Poker und zurzeit Vize-Präsident bei nine.com, einem Online-Sportwettenanbieter.

Um das Ganze noch einmal zusammen zu fassen: Es scheint so als hätte ein Mitarbeiter oder Ex-Mitarbeiter (vielleicht Scott Tom oder jemand anderes von der gleichen IP-Adresse) real-time Zugang zu den Karten aller Spieler und gab diese Informationen an seinen Komplizen POTRIPPER (wahrscheinlich das Konto eines ehemaligen Absolute Poker Direktors) weiter.

Vor kurzem hat die Kahnawake Gaming Commission (welche Absolute Poker ihre Glücksspiel-Lizenz gaben) bekannt gegeben, dass sie sich dazu entschieden haben den Vorfall zu untersuchen. Dies mag einem zwar das Gefühl der Erleichterung geben, aber es sollte darauf hingewiesen werden, dass die Kahnawake Gaming Commission auch Pro Poker ihre Lizenz gegeben haben, einen Pokerraum, der für das Abzocken seiner Spieler bekannt war.

Seit Donnerstagnachmittag gab Absolute Poker endlich zu, dass es eine Lücke in ihrem System gab. Sie gaben weiterhin bekannt, dass die Spieler, die davon betroffen waren, entschädigt werden würden. Sie gaben weiterhin bekannt, dass es sich um einen Insider gehandelt haben musste und das es keinem Outsider möglich sein die Software zu hacken.

Das steht im direkten Kontrast dazu, was sie in ihrer letzten Presseerklärung bekannt gegeben haben, als sie noch behaupteten, dass kein Betrug stattgefunden habe.

Gegenwärtig sind noch viele Fakten und Entdeckungen noch nicht an die Öffentlichkeit vorgedrungen. Bis der ganze Vorfall abgeschlossen und beendet ist kann man wahrscheinlich ein kleines Buch darüber schreiben.

The Weekly Shuffle ist unsere Sonntagskolumne mit Beobachtungen und Kommentaren zur Pokerwelt. Habt ihr eine Idee für einen neuen Artikel? Email suggestions@pokertips.org