Past Articles:
Wie man seine Gegner festnagelt, Teil I
2008-07-20
WSOP Main Event
2008-07-13
Interview: Spencer Lawrence
2008-07-06
Poker und die US-Wahlen 2008
2008-06-29
WSOP $2.500 Buy-in Shorthanded Event
2008-06-22
PokerTips Liebt Euch
2008-06-15
Ein Tag Mit Hairah Suks
2008-06-08
Interview: Johannes Strassman
2008-06-01
2008 WSOP: Vorschau und Prognosen
2008-05-25
Party Poker Million VI (2/2)
2008-05-18
The Weekly Shuffle Archives, 2005-2008
Andere sprachen:
Nate McNiterson vs. Benny Degenerito
THE WEEKLY SHUFFLE, 2008-02-24, von Ozone, TwoGun
Nate McNitersons Herz begann zu rasen, als er die Broschüre aus seinem Briefkasten holte. Die ersten jährlichen Desert Classics sollten im Sahara in Las Vegas stattfinden. Die vorausgehenden Events sollten Buy-ins zwischen $30 und $100 haben und das ganze endete dann mit dem $250 Buy-in Championship Event. Ein Lächeln lag auf seinem Gesicht, als er sich vorstellte, wie er mit seinem Lieblings-Startblatt in der Hand - schwarze Neuner wie Phil Hellmuth - neben der Dessert Classic Trophäe posieren würde. Er schimpfte mit sich dafür, dass er solche Wunschvorstellungen hatte. Er wusste, dass seine $8.000 Bankroll zu klein für solch ein Event war. Schließlich sollte man ja nur an einem Turnier teilnehmen, wenn die eigene Bankroll nicht kleiner als das Hundertfache des Buy-ins sei. Er könnte aber allerdings an ein paar $40 und $20 Super-Satelliten-Turnieren teilnehmen. Als er noch darüber nachdachte, was zu tun sei, lass er das Kleingedruckte am Ende der Broschüre: Spieler erhalten einen $10 Essensgutschein pro gespieltes Turnier. Fünf Minuten später war sein Flug nach Las Vegas gebucht.Auch wenn er sich vor vier Monaten geschworen hatte nie wieder Poker zu spielen, weil er eine Reihe von Bad Beats bei PokerStars kassierte, schaute sich Benny Degenerito die Broschüre für die Desert Classics an und erzählte seinen Kollegen am nächsten Tag, "dass er es spüren würde, dass er dieses Turnier gewinnen wird". In seinen früheren Tagen als professioneller Pokerspieler schwor er sich selbst, dass er immer auf sein inneres Gefühl hören würde. Er glaubt, dass es nicht genügend Mathematik gibt, um sein Bauchgefühl zu erklären. Und auf sein Bauchgefühl kann er sich verlassen. Es gab nur ein Problem. Wie er pflegte zu sagen, gab es "Unregelmäßigkeiten" in seiner Bankroll. In solchen Zeiten wusste Benny genau, dass es nur eine Person in der Welt gab, die verstand wie böse die Pokergötter sein können und der er vertrauen konnte, seine Mutter. Da er aber wusste, dass sich seine Mutter nur Sorgen machen würde, entschloss er sich dazu das Geld von ihr, ohne ihr Wissen, zu borgen. Er schwor sich, dass er es ihr doppelt zurückzahlen würde, sobald er im Turnier gewonnen hatte.
Er benötigte vier Versuche, aber schließlich schaffte es Nate doch noch sich für das Desert Classic Championship Event zu qualifizieren. Er war stolz auf sich, dass er die Disziplin hatte sich nicht direkt in das Turnier einzukaufen. Die vier $40+$20 Satelliten-Turniere kosteten ihn $240 und so sparte er $10 für seinen Sitz im Turnier. Zur Belohnung des Tages könnte er sich einen Margarita. "Übertreiben sie es nicht mit dem Tequila", sagte er der Bedienung mit einem, "Ich muss morgen noch ein Championship gewinnen". Zu seiner Verwunderung war die Bedienung nicht amüsiert. Sie musste wohl eine Lesbe sein, dachte er sich.
Der Turnierbeginn lag nur noch eine Stunde entfernt, als Nate seinen Sitz einnahm. Er war nach neun Stunden Schlaf ausgeschlafen und bereit für das Turnier. Benny kam gerade rechtzeitig an seinen Tisch, als die erste Hand ausgeteilt wurde. Er hatte eine lang Nacht an den Craps Tischen hinter sich. Die Blinds waren bei 25-50 und er hatte noch 5.000 Chips, als Benny zwei Asse auf die Hand bekam. Als alle foldeten, wusste er, dass es für ihn in mittlerer Position nur eines zu tun gab. All-in gehen. Auch die restlichen Spieler foldeten und er kassierte die 75 Chips. Es lief gut für Benny. Anstatt gleich zu Beginn des Turniers raus zu fliegen, kassierte er diesmal 75 Chips. "Ein guter Anfang", dachte er sich.
Einen Tisch weiter saß Nate, der das Glück hatte in einen Pott zu limpen und mit zwei Fünfen auf der Hand ein Drilling zu bekommen. Das Board zeigte K54. Er überlegte eine Weile als sein Gegner all-in ging, entschloss sich dann aber doch zu callen. Er war erleichtert, als er sah, dass sein Gegner nur einen Drilling Vierer hatte. Er hatte sich schon überlegt gehabt sein Blatt weg zu werfen, weil er dachte, dass sein Gegner vielleicht einen Drilling Könige haben könnte.
Als von den 54 Spielern nur noch 11 übrig waren, wurde sie zusammen an den Finaltisch gesetzt. Nate rief vorher noch schnell seine Mutter an, um ihr stolz zu erzählen "Mama, ich habe es an den Finaltisch geschafft". Er wusste aber auch, dass noch ein ganzes Stück Arbeit vor Ihm lag, denn nur die topp 5 Plätze wurden bezahlt. Nate wusste, dass er schon jetzt viel erreicht hatte. Er hoffte, dass er eines Tages mal seinen Kindern davon erzählen könnte und er hörte sich schon sagen: " Habe ich euch eigentlich schon mal davon erzählt, als euer alter Herr es an den Finaltisch der ersten Dessert Classics schaffte?".
Für Benny Degenerito bedeutete der Finaltisch, dass es Zeit wurde seine Fossilman Sonnenbrille raus zu holen. Nate machte Benny ein Kompliment bezüglich der Sonnenbrille und Benny antwortete kurz: "Wenn sie gut genug für Fossilman sind, dann sollen sie auch gut genug für mich sein". Beide lachten. Dies sollte aber das Ende der freundschaftlichen Interaktion darstellen.
Bei der nächsten Hand machte Benny eine angemessene Erhöhung in früher Position. Nate schaute auf zwei Könige und entschied sich dazu einfach nur zu callen, weil er befürchtete, dass Benny zwei Asse haben könnte. Der Flop brachte J63. Beide checkten. Der Turn war ein eine 2. Benny checkt. Das gab Nate den Mut 1/3 des Potts zu setzen. Benny callte. Der River war eine 6. Benny machte einen großen Bet. Nate erinnerte sich schnell daran, dass seine Mutter immer zu ihm gesagte hatte, das er sich nicht rum schupsen lassen sollte. Also entschied er sich dazu zu callen. Benny zeigte Sechs-Sieben suited und kassierte den Pott.
Nate hatte schon Bad Beats in seinem Leben gehabt, aber noch niemals hatte er einen solchen Bad Beat von diesem Ausmaß kassiert. Er war zwar ein ruhiger und geduldiger Mensch, aber genug war genug. Nate begann auf Benny mit dem Finger zu zeigen und ihn als Fisch zu beschimpfen. Benny antwortete: "Sechs-Sieben suited ist mein Lieblingsblatt. Es hat mir bisher immer geholfen, wenn ich es brauchte". Nate schlug zurück und sagte: "Howard Lederer Startblattanforderungen sagen ganz deutlich aus, dass solch ein Blatt nur für Cash Games geeignet sei. Ich dachte bisher du bist ein guter Spieler, aber du bist nur ein sch*#ß Fisch".
Uh... oh...
Nate hatte das s-Wort nicht mehr benutzt seit dem er in der achten Klasse von einem größeren Kerl geschlagen wurde. Damals ging es nicht gut aus und diesmal würde es wohl auch nicht besser ausgehen. Der Direktor des Turniers gab Nate eine Strafauszeit von 10 Minuten. Benny begann laut zu lachen während Nate vergebens versuchte seine Tränen zurück zuhalten. "Es ist noch nicht vorbei" sagte er und rannte schluchzend weg. Aber da lag er falsch. Er hatte nur noch zwei Big Blinds, als Benny raiste, um die Chips von Nates leeren Stuhl zu klauen. Nate konnte nichts tun, außer von der Absperrung aus zu beobachten, wie er als elfplatzierter rausflog.
Benny hatte jetzt einen der größten Stacks am Tisch und raiste, als er Pocket Kings bekam. Der Tisch-Chipleader raiste ihn all-in. Obwohl der Typ das die letzte Stunde zehnmal getan hatte, wusste Benny, dass er diesmal zwei Asse auf der Hand hatte. Also entschied er sich zu folden. Sein Gegner zeigte ihm zwei Damen und sagte nur "guter Fold".
Benny versuchte nicht vor Wut zu tilten, aber es gelang ihm nicht. Er hatte noch nie eine solch wichtige Hand verloren. Mit dem nächsten Blatt, A4 offsuit, erhöhte er sofort und callte auch sofort, als ein tighter Spieler ihn all-in setzte. Der andere Spieler hatte AK auf der Hand und gewann. Benny war jetzt auch aus dem Turnier raus. Sein Traum, der erste Desert Classic Champion zu werden, war zerplatzt.
The Weekly Shuffle ist unsere Sonntagskolumne mit Beobachtungen und Kommentaren zur Pokerwelt. Habt ihr eine Idee für einen neuen Artikel? Email suggestions@pokertips.org
PokerTips Newsletter Sign-Up


deutsch
dansk
english
español
français
italiano
nederlands
norsk
português
suomeksi
svenska
日本語
한국어




