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Andere sprachen:


Poker und die US-Wahlen 2008

THE WEEKLY SHUFFLE, 2008-06-29, von TwoGun

Wir alle wissen, dass das politische Klima, nicht nur in den USA, Online-Poker beeinflusst. In den USA hat es ein republikanischer Senator geschafft in den letzten Minuten einer Kongresssession den UIGEA durchzubringen. In Europa gibt es einen ständigen Konflikt zwischen den staatlich kontrollierten Monopolen und den privaten Anbietern von Online-Glücksspielen.

In den USA hoffen viele, dass ein glücklicher Wahlkampfausgang im November dazu führen könnte, dass in der Zukunft irgendwann der UIGEA wieder rückgängig gemacht wird oder Online-Poker legalisiert wird. Diese Menschen sind entweder sehr naiv oder einfach desillusioniert. Weder McCain noch Obama sind für oder gegen Online-Poker. Mit anderen Worten, keiner der beiden interessiert sich für Online-Poker.

Manche Online-Pokerspieler hoffen, dass Obama der Online-Poker Welt helfen wird. Sie denken, dass Obama, nur weil er Demokrat ist und selbst gerne Poker spielt, sich um seine "Poker Kollegen" kümmern wird. Ozone und TwoGun trafen auf der Party Poker Kreuzfahrt einen Mann, der behauptete, dass er alle paar Monate nach Washington D.C. fahren würde, um Lobbyarbeit für Online-Poker zu betreiben. Und er glaubte, dass ein Demokrat im Oval Office nötig sei, damit sich in den USA irgendwas tut.

Während die Begründung dieses Mannes recht süß war, so ist sie doch sehr optimistisch und unsinnig. Erstens hat sich Obama immer wieder gegen die Legalisierung von Glücksspielen ausgesprochen. Es gibt also keinen Grund, wieso er sich für die Legalisierung von Online-Poker aussprechen sollte. Noch wichtiger ist aber, dass der UIGEA sich nicht konkret gegen Online-Poker ausspricht, sondern, es Banken verbietet Transaktionen zu Online-Glücksspielanbietern zu transferieren, die definiert sind als Transaktionen die nach dem Gesetz illegal sind

Wer sollte sich also für Transaktionen aussprechen, die bereits dem Gesetze nach illegal sind? Den UIGEA durchzusetzen hat sich als sehr schwierig herausgestellt, denn gegenwärtig ist nicht klar welche Transaktionen nach amerikanischem Gesetz legal und illegal sind. Das US Department of Justice glaubt, dass Online-Glücksspiele an sich illegal sind (auch Pferderennen). Die Pferderennen-Industrie glaubt, dass Pferderennen legal seien. Und US-Zugewandte Pokerindustrie glaubt, dass der Wire Act - ein weiteres US-Gesetz, welches Glücksspiel verbietet - und andere US-Gesetze sie nicht betrifft. Mit anderen Worten hat der UIGEA diese Debatte nicht beendet, sondern viel mehr verstärkt.

Weiterhin muss man bedenken, dass bei der Abstimmung im Senat nur zwei von über 300 Senatoren nicht für den UIGEA gestimmt haben und das waren nicht Obama und McCain. Und wenn eine politische Seite seine Bedenken gegenüber den UIGEA ausgesprochen hat, dann waren es die Republikaner und nicht die Demokraten. Schließlich vertreten die Republikaner die Interessen der Banken.

Es ist nicht nur hoffnungslos zu glauben, dass der UIGEA zurückgezogen wird, auch würden die Obama Anhänger mehr Steuern zahlen falls er Präsident werden sollte. Obama machte es bereits öfters deutlich, dass er plant die Steuern zu erhöhen. Und das würde Glücksspieler gleich zweimal schwer treffen.

Erstens wäre ich nicht überrascht, wenn unter Obama nicht mehr die Nettogewinne, sondern die Bruttogewinne besteuert werden würden. Ich glaube zwar, dass die Wahrscheinlichkeit sehr gering ist - geringer als 10% - aber die Wahrscheinlichkeit, dass solch ein Gesetz verabschiedet wird ist unter Obama Präsidentschaft größer als unter McCain.

Gegenwärtig muss man Gewinne aus Glücksspielen in den USA als Einkommen deklarieren. Von den Bruttogewinnen darf man die Bruttoverluste in Höhe der Gewinne abziehen. Somit werden momentan nur die Nettogewinne besteuert. Alles was Obama und die Demokraten tun müssen, ist ein Gesetz einzuführen, welches die Bruttogewinne besteuert, wie es vor 1997 der Fall war.

Dies hätte zur Folge, dass wenn man in einem Jahr $250.000 Bruttogewinn und $200.000 Bruttoverlust gemacht hätte - Nettogewinn wäre $50.000 - man $90.000 Steuern auf die $250.000 Bruttogewinn zahlen müsste. Somit hätte man in diesem Beispielfall einen Nettoverlust von $40.000 am Ende des Jahres, statt $50.000 gewinn. Hört sich unrealistisch an? Genau so werden momentan in Obamas Heimatstaat Gewinne besteuert.

Wenn einer glaubt, dass die PPA (Poker Player Association) das stoppen könnte, dann sollte er aus seinem Schlaf erwachen und ein bisschen Realität schnuppern. Die einzige Gruppe die das verhindern könnte, wären die landbasierten Casinos und die Pferderennen-Industrie.

Wenn man glaubt, dass man dem Problem aus dem Weg gehen könnte, indem man sich als professioneller Pokerspieler deklariert, dann könnte das ganz schnell schief gehen. Als erstes muss man bedenken, dass die IRS vielleicht anderer Meinung sein könnte, besonders wenn man noch einen "richtigen" Job hat. Man muss sich also zwischen Vollzeit-Pokern oder nicht Pokern entscheiden. Die meisten Pokerspieler entscheiden sich für die semi-professionelle Schiene, was aber dann so gut wie unmöglich sein wird, wenn solch ein Gesetz in Kraft treten würde.

Auf jeden Fall werden die bevorstehenden Wahlen in den USA sehr interessant werden. Allerdings wird sich für die Pokerwelt nichts ändern. Meiner Meinung nach werden die Wahlen keine positive Veränderung

The Weekly Shuffle ist unsere Sonntagskolumne mit Beobachtungen und Kommentaren zur Pokerwelt. Habt ihr eine Idee für einen neuen Artikel? Email suggestions@pokertips.org


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