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Ich bin einer der wenigen, maximal 362 Personen, die das Privileg hatten diese Jahr an beiden Events, dem WSOP Main Event sowie dem WSOP Europe Main Event, teilzunehmen. Abgesehen davon, dass die beiden Turniere den gleichen Namen tragen, haben sie nicht sehr viel gemeinsam. Zum Beispiel hat der europäische Ableger nur 5% der Teilnehmerzahl des amerikanischen Mutterturniers erzielt. Zweitens hat die WSOPE ein Buy-in von £10.000, was fast doppelt so hoch ist wie das Buy-in der WSOP in Las Vegas.Was beide Turniere außer dem Namen gemeinsam haben ist die Struktur. Bei beiden Turnieren beginnen die Spieler mit 20.000 Chips und die Blind Levels sind zwei Stunden lang. Da ich dieses Jahr ganz gut bei der WSOP in Vegas abschnitt, ging ich narrenhaft davon aus, dass ich in London genauso gut abschneiden würde. Sobald ich meinen Platz beim Turnier in London einnahm, stellte ich schnell fest, dass die meisten Teilnehmer zumindest kompetente Turnierspieler sein mussten.
Das Vegas Main Event ist voll von Amateur Pokerspielern, die sich im Internet qualifiziert haben, Promis, die einfach nur versuchen länger als eine Stunde zu überleben, Home Game Heroes, die einfach nur eine gute Geschichte mit nach Hause bringen wollen, und degenerierte, die einfach ihr Glück versuchen wollen. Bei der WSOP Europe findet man diese Sorte von Spieler nicht. Nicht einmal die Internetqualifizierer, von denen sich die meisten durch den Sponsoren der WSOPE, Betfair Poker, qualifiziert haben, waren solide Pokerspieler.
An meinem Tisch, der einer der eher fischige Tische war, erkannte ich sofort zwei Spieler: Yuval Bronshtein und Steve "Zugwat" Silverman. Bronshtein, der berühmt wurde durch seinen Sieg beim FTOPS Event im August diesen Jahres, schoss innerhalb der ersten Stunde zwei Spieler ins aus. Jedes Opfer von Yuval mindestens genauso fishy und wie Zugwats Opfer und als ich gerade meinem Glücksstern für diesen Tisch danken wollte, wurde unser Tisch aufgelöst.
Ich folgte mit meinen Chips in der Hand dem Floorman, der mich an meinen neuen Tisch brachte. An meinem neuen Platz fand ich zu meiner linken dann Nenad Medic und Barry Greenstein. Ouch! Weiterhin befand sich an meinem Tisch der £5,000 Pott-Limit Omaha Champion Theo Jorgensen und ein talentierter junger deutscher Pokerspieler namens Florian Langmann, der letztes Jahr den zweiten Platz beim EPT London Event belegte.
Zum Abendessen verabredete ich mich mit einem meiner deutschen Freunde, Johannes Strassmann, und ein paar seiner Freunde in einem Steakhouse. Langmann saß mit uns am Tisch. Irgendwann unterbrach er seine Unterhaltung auf Deutsch über Pokerstrategien mit den anderen und meinte zu mir auf Englisch: "Oh Cory... Ich erzähle gerade den anderen was für ein tighter Spieler ich doch bin." Wir lachten zusammen, denn man muss nur ein paar Runden mit Florian am Tisch sitzen um festzustellen, dass das Gegenteil der Fall ist.
Nach dem Abendessen gingen wir ins gefüllte Empire Casino zurück um weiter zu spielen. Die WSOP in Vegas findet in einem riesigen Versammlungssaal statt, der groß genug ist, um ein komplettes indoor Fußballfeld zu beherbergen. Die WSOP Europe ist nicht annähernd so geräumig. Die Tische wurden in enge Ecken gestellt. Manche Tische wurden dort hingestellt, wo sich sonst Stühle und Barhocker befinden. Andere Tische wurden auf verschiedene Balkone im ganzen Haus platziert. Wieder andere Tische befanden sich in einem versteckten Raum am Ende eines langen Ganges. Die Verteilung der Tische wurde noch die unlogische Nummerierung der Tische verschlimmert. So waren zum Beispiel Tisch Nummer 14 und 19 im ersten Stock, wohingegen Tisch 8 und 16 auf einer Bühne im Erdgeschoss standen. Ich kam besser mit Nenad Medic zu meiner linken am Tisch zu Recht, als meinen neuen Tisch im Casino zu finden.
Bei der WSOP in Vegas fiel es mir nicht schwer, meine Startchips von 20.000 auf 42.000 am ersten Tag zu erhöhen. In London ging das nicht so leicht. Die längste Zeit des Tages schwankte ich zwischen 14.000 und 28.000. Die Spitze erreichte ich, als ich mit einem Overbet all-in ging. Ich hatte ein Paar Zweier auf der Hand bei einem QT52J Board und einem finnischen Gegner der zwölf Jahre alt aussah. Ich glaube mein Overbet verunsicherte ihn ein bisschen. Deswegen hat er wahrscheinlich auch schon seine Jacke angezogen bevor er seine restlichen Chips in die Mitte schob.
Selten kam es vor, dass ich einen Pott eröffnete und Nenad oder Barry oder beide nicht mitgingen. Mein Bust-out war da keine Ausnahme. Ich erhöhte under-the-gun auf 1.050 mit Ass-König Herz. Nenad, Barry und vier andere callten bevor der Big Blind mit 4.500 all-in ging. Ich versuchte den Big Blind zu isolieren, indem ich mit 15.500 auch all-in ging. Ein Britte callte mich mit seinen zwei Buben. Die Buben gewannen das Rennen und ich flog neun Minuten vor dem Ende des letzten Blind Levels des Tages aus dem Turnier raus.
Ich genoss es zwar bei der WSOP Europe dabei gewesen zu sein, aber ich kann nicht sagen, dass auf meiner Prioritätenliste für das nächste Jahr ganz oben liegt. Das Event wird nicht genügend promoted um haufenweise Fische anzuziehen und ein £10.000 Buy-in für ein Turnier voller Pros macht die Investition nicht gerade attraktiver.
Ich war überrascht, dass das Event im Vergleich zum letzten Jahr nicht gewachsen ist. Die 2008 WSOP Europe hatte genauso viele Teilnehmer wie das Event im Vorjahr. Dieses Jahr wird das Event sogar auf ESPN in Amerika ausgestrahlt werden, was dazu beitragen könnte, dass es in Amerika populärer werden würde. Aber meinen Beobachtungen und Einschätzungen zufolge wird das WSOP Europe Event nie mehr als ein glorifiziertes WSOP Circuit Event werden. Die Organisatoren des Turniers hofften, dass der Poker Boom in Europa die WSOP Europe zu einem ähnlichen Spektakel werden lassen würden wie die WSOP in Las Vegas. Obwohl sogar die 18-jährige Norwegerin Annette Oberstad das Turnier im letzten Jahr gewann ist die Popularität des Turniers kein bisschen gewachsen. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass man in Europa sich nicht mehr in einem Poker Boom befindet.
The Weekly Shuffle ist unsere Sonntagskolumne mit Beobachtungen und Kommentaren zur Pokerwelt. Habt ihr eine Idee für einen neuen Artikel? Email suggestions@pokertips.org
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