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Casino Inkompetenz

THE WEEKLY SHUFFLE, 2009-02-22, von Ozone, TwoGun

Es ist kein Geheimnis, dass die Casino Industrie von der Ökonomie entwertet wurde. Dies war eine Unabwendbarkeit, unabhängig davon wie gut oder schlecht die Geschäfte der einzelnen Unternehmen liefen. In einem Casino um Geld zu spielen ist der Inbegriff von freier Verfügbarkeit von Geld. Und alle Branchen, in denen freies Kapital verfügbar sein muss wurden von der Wirtschaftskrise besonders hart getroffen. Im Rückblick gibt es ein paar Maßnahmen, die die Casinobetreiber hätten treffen können, um den Schaden zu begrenzen. Zumindest könnten man jetzt noch rechtzeitig handeln, um ein Bankrott zu verhindern. Bei ein paar der Casino Unternehmen - Harrah's, Wynn, MGM und Las Vegas Sands um ein paar zu nennen - scheint ein Bankrott nicht ausgeschlossen zu sein. In diesem Weekly Shuffle widmen wir uns dem Thema was Casinos hätten und noch tun können, um einer Insolvenz aus dem Wege zu gehen.

Aggressive Über-Expansion

Die meisten Unternehmen wurden von der Kreditkrise schwer getroffen. Dies gilt vor allem für high-end Unternehmen. Die Casinos in Las Vegas wurden mit heruntergelassenen Hosen erwischt. Als es der Ökonomie noch gut ging, hat sich Las Vegas sehr schnell weiter entwickelt. Es dauert nicht lange, bis sich daraus eine Blase entwickelte, die zum Platzen verdammt war. Casinos wurden aus dem Boden gestampft mit der "wenn du es baust, werden sie kommen" Mentalität (Zitat aus dem Film "Field of Dreams" mit Kevin Costner). Jedes noch so kleine Casino in Las Vegas dachte, es benötige einen zusätzlichen Turm mit 40 Stockwerken.

Es gibt viele Beispiele von sinnloser Über-Expansion in Las Vegas. Zwei der größten Casino-Anlagen in Las Vegas, Wynn und Venetian, hielten es für sinnvoll weitere Milliarden zu investieren, um noch extravagantere Resorts zu errichten. Und so wurden das Encore und Palazzo aufgestellt. Die beiden Unternehmen wurden zu einem fast schon komischen Zeitpunkt eröffnet. Encore öffnete seine Pforten vor ein paar Monaten, als die Wirtschaft gerade ihren Tiefstpunkt erreicht hatte.

Ein weiteres high-end Las Vegas Ressort, das wahrscheinlich nie seine Pforten öffnen wird, ist das Echelon. Die Gebäude und Grundstücke der Casinos Stardust und Frontier wurden dem niedergerissen, um dem $4 Milliarden Echelon Projekt Platz zu machen. Die Bauarbeiten hatten kurz vor dem "temporären Baustopp" begonnen. Und falls die Bauarbeiten überhaupt jemals wieder aufgenommen werden, dann wahrscheinlich erst in ein paar Monaten, wenn nicht sogar Jahren. Die Besitzer von Echelon verstecken sich wahrscheinlich gerade irgendwo, nach dem sie mehrere Hundertmillionen wortwörtlich in den Sand gesetzt haben und wahrscheinlich niemals einen Penny zurückbekommen.

Suboptimal Bonus-Systeme

Bonus-Systems in Vegas wurden dafür geschaffen, um den Spielern einen "Rakeback" für ihr Spielen zu geben. Das ganze System hat sich zu einem Tanz zwischen dem Casino und den Spielern entwickelt. Es gibt so etwas wie ein stilles Abkommen, dass wenn die Spieler zocken, sie vielleicht das Essen, das Zimmer, Transport oder alles zusammen umsonst bekommen. Allerdings ist die Art und Weise, wie die Casinos ihre Bonus-Systeme implementiert haben weniger optimal.

Die Bonus-Systeme basieren auf der Spieldauer, dem durchschnittlichen Wetteinsatz sowie dem Spiel, das der Spieler spielt. Am Ende basiert das System auf dem Erwartungswert, den der Spieler bereit ist an das Casino abzugeben. In einem Vakuum wurde solch ein Bonus-System sinnvoll sein. Aber in der Realität werden ein paar menschliche Elemente außen vor gelassen, wie zum Beispiel, dass Menschen mehr spielen wenn sie gewinnen und aufhören zu spielen, sobald sie verlieren. Die Leute haben eine Obergrenze, wenn es darum geht wie viel sie bereit sind zu verlieren, und es geht ihnen nicht darum, wie viel Erwartungswert sie an das Casino bei welchem Spiel abgeben. Das heißt Casinos bevorzugen Spieler die acht Stunden $25 pro Hand Blackjack spielen gegenüber jemanden, der $3000 in 30 Minuten verballert, weil er $200 pro Hand Blackjack spielt.

Aus der Sicht der Casinos macht das Sinn. Der $25 Spieler hat sehr viel mehr Erwartungswert abgegeben als der $200 Spieler. Aber Pit Bosse, die sich nur nach dem Computer richten und nicht darauf achten, dass regelmaessige High-Roller allein für ihre Regelmaessigkeit belohnt werden, vertreiben oft solche Spieler. Klar hat der $200 Spieler keine Kohle mehr zum zocken, aber wieso sollte man ihm nicht ein gratis Hotelzimmer als "Wiedergutmachung" anbieten - schließlich hat man gerade $3000 von ihm gewonnen.

Es scheint immer noch so, als hätten die meisten Casinos noch nicht ihre Bonus-Systeme aktualisiert und an die aktuelle Wirtschaftskrise angepasst. In einer ökonomisch besseren Zeit macht es Sinn nicht alle Wünsche und Anfragen der Kunden erfüllen zu müssen. Aber in einer Zeit, in der die Hotels fast leer sind und es die Casinos so gut wie gar nichts kostet jemanden in ein Zimmer zu stecken, das sonst leer geblieben wäre, kann man doch großzügig sein und mal eine Übernachtung mehr an seine regellmaessigen Spieler vergeben.

Die Bonus-Systeme für die Tischspiele zwingen die High-Roller dazu die Casino-Mitarbeiter um eine kostenlose Mahlzeit oder Zimmer zu fragen. Wenn man bedenkt, dass die Menschen jetzt weniger bereit sind denn je sich von ihrem Geld zu trennen, ist es einfach nur dumm, wenn man mit den Spielern ein Katz und Maus Spiel spielt, während die Zimmer leer stehen. Casinos sollten eher ehrlich mit den Spielern umgehen und ihnen sagen, wenn ihr Betrag X einsetzt oder verliert, dann bekommt ihr ein Hotelzimmer oder eine Mahlzeit umsonst. Ganz einfach. Es macht keinen Sinn die Spieler mit computer-unterstützten Bonus-Systemen zu irritieren und zu verärgern.

Wenn die Las Vegas Casinos etwas effektiver geführt werden würden, wären 15% der besten Hotels jeden Abend voll, während der Rest leer stehen würde. Dies ist aber nicht der Fall, weil die topp 15% der Casinos es verpasst haben die übriggebliebene Kundschaft mit neuen, attraktiven Bonus-Systemen anzulocken!

Kein Online-Poker Support

Die Casino-Industrie war gegenüber der Online-Poker Industrie immer neutral, wenn nicht sogar feindlich eingestellt. Als der UIGEA auf dem Tisch lag, war die Casino Industrie still. Das war wie ein Schlag ins Gesicht für die Online-Glücksspiel Industrie, die letztendlich zu dem Wachstum der Casino Industrie mit beigetragen hat. Die WSOP und der Poker Boom waren das Beste für Las Vegas seit der Gründung der Stadt. Dank Online-Poker waren über Nacht ihre Zimmer gefüllt mit Online-Pokerspielern, die ihr Glück gerne mal live ausprobieren wollten.

Hätte sich die Casino Industrie damals gegen den UIGEA und für Online-Poker ausgesprochen, dann hätte man den UIGEA vielleicht nicht nur verhindern können, sondern es hätte sich auch die Möglichkeit der Regulierung von Online-Poker innerhalb der USA ergeben. Das Ergebnis hätte dazu geführt, dass die Casino Industrie sich jetzt hätte weniger Sorgen machen müssen, ob sie demnächst vor dem Bankrott stehen.

The Weekly Shuffle ist unsere Sonntagskolumne mit Beobachtungen und Kommentaren zur Pokerwelt. Habt ihr eine Idee für einen neuen Artikel? Email suggestions@pokertips.org



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