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$30 Millionen Beschlagnahmung: große Sache oder nicht?

THE WEEKLY SHUFFLE, 2009-06-14, von TwoGun, Ozone

Die Beschlagnahmung ist keine große Sache!
Von TwoGun:

Die Online-Pokerindustrie gehört nicht zu den Branchen, die normaler Weise von Marktbeobachtern nicht rational betrachtet wird. Weder die Kunden selbst (die Spieler), der Staat, die Inserenten und manchmal sogar die Pokerfirmen selbst können keine Aussage über die Zukunft der Pokerindustrie treffen. Es gibt die optimistische Fraktion, die immer noch hofft, dass der UIGEA abgeschafft wird und Online-Poker in den USA legal und reguliert wird, auch in den Anti-Glücksspiel-Staaten, wie zum Beispiel (Hawaii und Utah).

Und dann gibt es die konservative Fraktion, die denkt, dass Online-Glücksspiel die Wurzel allem Bösem ist. Sie hoffen, dass der Staat Glücksspiel erfolgreich verbieten wird... genauso erfolgreich, wie sie Alkohol in den Zeiten der Prohibition verboten haben und Schüler davon abhalten Marihuana zu rauchen.

In den USA gibt juristische Unterschiede zwischen Online-Sportwetten und Online-Poker. Grund dafür ist, dass man den Wire Act, ein Gesetz das Wetten per Telefon verbietet, viel leichter auf Online-Sportwetten anwenden kann, als auch Online-Poker. Was die meisten Leute nicht wissen, ist, dass der Wire Act nicht das einzige Gesetz in den USA ist, welches Internet-Glücksspiel betrifft. Glücksspiel ist hauptsächlich eine Angelegenheit der US-Bundesstaaten und so gut wie alle Staaten sind gegen Online-Glücksspiel. Manche Staaten verbieten sogar strikt jegliche Form von Glücksspiel. Kurz gesagt, es wird zu viel über die Unterschiede zwischen Online-Sportwetten und Online-Poker geredet. Der einzige Grund wieso der Staat stärker gegen Online-Sportwetten vorgeht, ist, weil es leichter ist. Sie können aber auch immer noch gegen Online-Poker vorgehen.

Da die US-Regierung ständig versucht Online-Sportwetten zu stoppen, operieren die US-Zugewandten Online-Sportwettenanbieter möglichst unauffällig und versuchen nicht ins Visier der US-Regierung zu gelangen. Wenn US-Zugewandte Online-Pokeranbieter nicht unauffällig operieren, sondern öffentlich Werbung machen und das auch noch im nationalen Fernsehen, dann wird es auf einmal leichter für die US-Regierung auch Online-Pokeranbieter rechtlich zu verfolgen. Auch wenn sie wenige Gesetze gegen Online-Pokerseiten an sich haben, so haben sie doch noch genügend Gesetze, um gegen die Unternehmen selbst vorzugehen.

Was versuche ich damit zu sagen? Ich denken, dass US-Zugewandte Online-Pokerfirmen sich vermehrt wie US-Zugewandte Online-Sportwettenanbieter verhalten operieren müssen: weniger an der Oberfläche, sondern vermehrt aus dem Untergrund heraus. Die Auszahlungen an Amerikaner werden zwar länger dauern, aber dennoch wird es funktionieren. Amerikaner müssen vielleicht auch höhere Gebühren für Auszahlungen zahlen, aber das war es dann auch schon.

In dem Katz und Maus Spiel wird die US-Regierung gegen die Online-Pokerseiten verlieren. Der Staat hat nicht die Ressourcen, um gegen alle Anbieter vorzugehen. Sie können vielleicht ein paar Online-Geldtransfer-Operatoren ausschalten, aber dafür wird es dann wieder neue geben, die wieder versteckter arbeiten werden. Amerikaner haben immer noch genügend Sportwettenanbieter zur Auswahl und Ein- und Auszahlungen sind auch kein Problem; es ist vielleicht nur etwas schwieriger im Vergleich zu Online-Pokerseiten.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem die US-Regierung jemand von PokerStars, Full Tilt Poker oder einem anderen US-Zugewandten Pokerraum verhaftet, wird der Status Quo beibehalten und sich nichts ändern. Es könnte höchstens ein bisschen schwieriger werden Geld ein- und auszuzahlen, aber das ist keine große Sache.

Aber wenn mal einer der genannten Pokerraum Operatoren verhaftet wird, dann sieht wieder alles anders aus.


Die Beschlagnahmung ist eine große Sache!
Von Ozone:

Zum ersten Mal ist das U.S. Department of Justice (DOJ) gegen ein reines Poker-Unternehmen vorgegangen. Dies passierte während viele in der Pokerwelt immer noch denken, dass der UIGEA abgeschafft wird. Der UIGEA soll abgeschafft werden? Träum weiter! Pokerspieler sollten ihre Aufmerksamkeit auf praktischere Dinge richten: zum Beispiel hoffen, dass das DOJ Online-Poker nicht komplett auslöscht, in dem sie ein paar gezielte Beschlagnahmungen durchführen.

Wird die Beschlagnahmung von $33 Millionen letzte Woche Online-Poker ruinieren? Nein! Der Online-Pokermarkt ist zu groß, als dass er durch solch eine Beschlagnahmung signifikant beeinträchtigt wird. Die eingezogenen $33 Millionen sind nicht die schlechte Nachricht für die Online-Pokerwelt. Schlecht ist Botschaft, die das DOJ damit rüberbringen will. Noch nie ging das DOJ gegen reine Online-Pokerfirmen vor. Bisher waren immer nur Online-Sportwettenanbieter und Online-Casinos im Visier der US-Regierung. Dies führte dazu, dass viele der Online-Pokerfirmen eine gewisse Arroganz an den Tag legten und glaubten, dass das, was sie taten, legal sei. Wie gesagt, träumt weiter!

Das DOJ könnte aus Online-Poker eine Sache der Vergangenheit und es wäre auch nicht all zu schwierig. Vergessen wir mal, dass die Gründer und Besitzer des zweitgrößten US-Zugewandten Online-Pokerraums gerade in Las Vegas rumlaufen und so tun, als könnte das DOJ nur Geld beschlagnahmen. Es gibt zwei Wege, eine direkten und einen indirekten, wie Beschlagnahmungen allein, ohne Verhaftungen, Online-Poker für Amerikaner ruinieren kann.

Als erstes können sie Online-Poker direkt blockieren. $33 Millionen beschlagnahmt sind kein Knockout für Online-Poker, aber definitiv ein Schlag in die Magengrube. Wenn das DOJ es schafft weiterhin Beschlagnahmungen in dieser Größenordnung durchzuführen, dann müssen die Online-Pokerfirmen früher oder später nach- bzw. aufgeben. Es kommt der Zeitpunkt, an dem das DOJ so viel Geld beschlagnahmt hat, dass es für die Online-Pokerräume einfach nicht mehr gewinnbringend ist Amerikaner in ihren Online-Pokerräumen spielen zu lassen. Ist dies eine reelle Gefahr? Seit Jahren hat das DOJ es verfehlt Geld von reinen Online-Pokeranbietern zu beschlagnahmen. Warum haben sie es erst jetzt getan, wenn sie es schon die ganze Zeit hätten tun können? Vielleicht haben sie diesmal nur Glück gehabt. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht hat die US-Regierung nach einfachen Methoden gesucht, um in Zeiten der Rezession an Geld zu kommen und da waren die Online-Pokerräume ein perfektes Ziel. Ich kann mir kein leichteres Ziel vorstellen als Online-Poker Zahlungs-Prozessoren.

Geld von Online-Poker Zahlungs-Prozessoren zu beschlagnahmen kann indirekt Online-Poker ruinieren, indem die Spieler einfach Angst bekommen online zu pokern. Gewöhnliche Spieler (Fische) lesen, dass Geld von Online-Poker Zahlungs-Prozessoren beschlagnahmt wurde und sind sich nicht mehr sicher, ob ihr Geld wirklich sicher ist. Die Angst allein, dass ihr Geld nicht mehr sicher ist, reicht aus, um sie vom online Poker spielen abzuhalten. Sie waren sich sowieso nie sicher, ob da bei Online-Poker nicht betrogen wird, weil sie immer verlieren. Die Beschlagnahmung von Online-Pokergeld ist nur ein Grund mehr, um nicht mehr Poker zu spielen. Dadurch, dass die Fische aufhören Poker zu spielen, werden die Spiele nur noch härter. Durchschnittliche und bisschen bessere Spieler fangen auf einmal an sich zu fragen, ob es sich wirklich noch lohnt online zu pokern, oder ob sie nicht doch lieber versuchen sollten einen richtigen Job zu bekommen. Bevor man es realisiert hat ist Online-Poker nur noch ein Bruchteil dessen, was es einmal war und nur weil ein paar Millionen Dollar beschlagnahmt wurden.

Das Problem mit Online-Poker in Amerika ist, dass die meisten Amerikaner das Gefühl haben Online-Poker ist illegal oder zumindest nicht ganz richtig. Die regelmäßigen Spieler können sich noch mit der Hoffnung retten, dass das nächste "Barney Frank Gesetz" alles ändern wird, aber auf diese Spieler kommt es auch gar nicht an. Sie sind sowieso nicht gut für Poker, weil sie so gut sind. Es kommt auf die Spieler an, die nur ab und zu und aus Spaß spielen. Es gibt sehr viele davon und man kann sie leicht erkennen. Aber ein paar schlechte Schlagzeilen und ein paar Geschichten darüber, wieso Poker nicht mehr sicher ist, reicht aus, um diese Spieler zu verschrecken und Poker in den USA zu ruinieren.

The Weekly Shuffle ist unsere Sonntagskolumne mit Beobachtungen und Kommentaren zur Pokerwelt. Habt ihr eine Idee für einen neuen Artikel? Email suggestions@pokertips.org
 


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